Unterwegs im Internet

Allerlei Interessantes und zuweilen Amüsantes aus den Untiefen der Virtualität

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Bald ist es da: Tabuthema Fehlgeburt

Mein Baby kommt bald zur Welt – in Form meines Buches „Tabuthema Fehlgeburt“. Und es (oder ich?) hat sich sehr viel Zeit gelassen.

2014 habe ich eine Umfrage zum Thema Umgang mit Fehlgeburten und Umgang mit Frauen bei Fehlgeburten hier auf dem Blog durchgeführt. Aufgrund meiner Tätigkeit als Chefredakteurin für das Internetportal www.9monate.de und nicht zuletzt eigener Erfahrungen liegt mir das Thema sehr am Herzen. Ich dachte, wenn das traurige Thema Fehlgeburten aus der Tabuzone geholt wird und die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert wird, wird der Umgang mit Frauen, die Fehlgeburten erleiden müssen, letztendlich verbessert. Denn es läuft viel schief, wie das so bei Tabuthemen ist – in medizinischer und menschlicher Hinsicht. Die Umfrage sollte mir unterschiedliche Erfahrungen aufzeigen. Ich hatte darauf gehofft, dass vielleicht 50 Frauen teilnehmen, sodass ich diese Antworten auswerten und als Anhaltspunkte verwenden könnte. Was dann passiert ist, hat mich fast schon ein bisschen überfahren: 430 Frauen nahmen an der Umfrage teil und erzählten mir offen und ausführlich ihre Erfahrungen. Da war mir klar, dass ich in ein Wespennest gestochen hatte. Ich sah den Gesprächsbedarf, der zu dem Thema besteht und fühlte mich unglaublich ermutigt, ein Buch zu diesem Thema anzugehen.

Aber es kostete mich Kraft. Viel Kraft, die ich selber phasenweise nicht hatte. Ich hatte zu Beginn direkt 20 Seiten geschrieben. Seitdem lag das Manuskript da und ich hatte es nicht angerührt. Ich hatte oft ein unglaublich schlechtes Gewissen all den Frauen gegenüber, die auf das Buch warteten, aber ich konnte einfach nicht. Im Mai letzten Jahres habe ich mich dann berappelt und entschieden, dass nun Zeit ist für Alles oder Nichts. Also schickte ich ein Exposé an meine drei Wunschverlage. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit nichts gerechnet. Wenn niemand Interesse daran gehabt hätte, dann hätte ich das angefangene Manuskript wenigstens in der Versenkung verschwinden lassen können und hätte kein schlechtes Gewissen mehr gehabt. Aber dann, drei Tage später, antwortete mir die Lektorin vom Mabuse-Verlag, dass sie sehr gerne etwas zu dem Thema machen wollen und mein Buch genau so wie von mir geplant weitergeschrieben werden kann. Ich war sprachlos. Nun hatte ich endlich einen Grund, weiter am Buch zu schreiben. Und dann ging es eigentlich ganz schnell und gut von der Hand. Nun ist es fertig und wird Ende des Monats erscheinen. Ich freue mich riesig und bin gespannt, wie es meinem Buch-Baby in der Welt ergehen wird.

(Cover: Mabuse Verlag)

Studie zu Social media und Hirnkonnektivität

Sprichst du über dich in den sozialen Medien? Auf Facebook vielleicht? Dann könnte dich interessieren, was Wissenschaftler der Freien Universität Berlin und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften herausgefunden haben. Und zwar kann die Intensität der Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook durch die Aktivität im Belohnungssystem des Gehirns vorausgesagt werden.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich in ihren Untersuchungen auf den medialen präfrontalen Kortex (in der Grafik 1) und den Precuneus (in der Grafik 2), zwei kortikale Hirnregionen, die aktiv werden, wenn Menschen über sich selbst nachdenken. An der Studie nahmen 35 Personen teil. Bei der Auswahl der Probanden wurde darauf geachtet, dass das Nutzerverhalten stark variierte. Alle Probanden teilten regelmäßig Bilder von sich selbst, erneuerten ihre Profilinformationen und ihren Status. Mithilfe von funktionaler Magnetresonanztomographie (fMRT) konnten regionale Interaktionen zwischen Hirnregionen, also funktionelle Konnektivität aufgezeichnet werden, die unter Ruhe auftreten. Die Probanden mussten während der Messungen keine spezielle Aufgabe lösen, sondern konnten ihre Gedanken schweifen lassen. Die Wissenschaftler analysierten daraufhin die Konnektivität des Gehirns aller Probandinnen und Probanden daraufhin, ob es eine Verbindung zwischen der Gehirnkonnektivität und der Nutzung der sozialen Medien gab.

„Je größer die Konnektivität zwischen dem medialen präfrontalen Kortex und dem Precuneus mit dem dorsolateralen präfrontalen Kortex (in der Grafik 3) war, desto mehr selbstbezogene Informationen teilten die Probanden auf Facebook“, sagt Dar Meshi, Studienleiter und wissenschaftlicher Forscher an der Freien Universität im Bereich der biologischen Psychologie und kognitiven Neurowissenschaft.

Hirnaktivität kann Intensität der Facebook-Nutzung voraussagen

„Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass mit der Art der Verarbeitung sozialer Anerkennung im linken Nucleus accumbens die Intensität der Facebook-Nutzung von Individuen vorausgesagt werden kann“, sagt Dar Meshi. „Die Ergebnisse erweitern unser Wissen darüber, ob und in welchem Maße eine spezifische Aktivierung des Nucleus accumbens Rückschlüsse auf komplexe menschliche Verhaltensweisen zulässt.“

Die Studienergebnisse könnten darüber hinaus wichtige Impulse für die klinische Forschung und für  die Lern- und Bildungsforschung geben, da eine Facebook-Nutzung und die individuelle Aktivierung im Belohnungssystem des Gehirns miteinander in Verbindung gebracht werden können. Die Autoren betonen jedoch, dass die Studie keine Rückschlüsse darüber zulässt, ob durch das positive soziale Feedback Menschen zu aktiven Facebook-Usern werden oder ob die intensive Nutzung sozialer Medien die Verarbeitung von sozialem Feedback im Gehirn verändert.

 

Drei Hirnreginen wurden auf Konnektivität in Bezug auf selbstbezogene Informationen auf Facebook untersucht  (Grafik: Freie Universität Berlin)

 

Quelle: Freie Universität Berlin: http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2016/fup_16_061-studie-konnektivitaet-gehirn-soziale-medien/index.html

Originalstudie: http://www.nature.com/articles/srep22491

Nicht vergessen: Wir sind viele

Gerade im Internet könnte man derzeit den Eindruck gewinnen, dass ein starker Rechtsruck durch Deutschland geht. Auf Facebook & Co. lese ich beinah täglich menschenverachtende und rassistische Kommentare. Ich bin fassungslos. Ich bin wütend. Ich habe Angst vor Menschen, die solche Dinge äußern. Aber vor allem bin ich müde. Ich weiß, dass es wichtig ist, sich solchen Aussagen entgegen zu stellen. Aber es ist anstrengend, es kostet Kraft und Energie. Aber dieses Bild trügt und ich finde es für mich immer wieder wichtig, das nicht zu vergessen und sich daran zu erinnern. Denn sonst läge ich den ganzen Tag mit Decke über den Kopf im Bett und würde vermutlich Depressionen bekommen.

Ich kenne viele Menschen, die sich neben ihrem normalen Alltag aktiv für die Flüchtlinge in ihrer Gegend einsetzen und mit anpacken. Sie organisieren, sie unterrichten Deutsch, sie helfen bei Behördengängen, sie gehen mit zum Arzt oder sie sind selber der Arzt und haben sich bereit erklärt, Flüchtlinge erst mal kostenlos zu behandeln. Unglaublich viele Menschen helfen. Ich glaube, dass es viel mehr sind, als die, die hasserfüllte Kommentare irgendwo im Internet posten. Denn während die einen frustriert vor dem Internet sitzen und posten, Hass verbreiten und unreflektiert ziemlich viel Quatsch erzählen, sind die anderen einfach damit beschäftigt etwas zu tun und nicht darüber zu reden, denn dafür bleibt eigentlich keine Zeit mehr. Mir fällt auf, dass die, die sehr kritische und teilweise falsche Fakten erzählen, auf Nachfrage selber noch keine Erfahrungen mit Flüchtlingen oder in der Flüchtlingshilfe gemacht haben. Spreche ich hingegen mit Menschen, die selber Kontakt zu Flüchtlingen haben, so höre ich überwiegend nur positive Dinge. Ich erlebe sie selber, Woche für Woche. Der Austausch mit anderen Helfern ist wunderbar und gibt mir Kraft. Viele berichten voller Enthusiasmus genau das, was auch bei uns geschieht. Der gegenseitige Austausch macht Spaß, hilt auch den Helfern zu verstehen und verstanden zu werden. Und zu unseren Treffen, wo wir organisieren und versuchen, so gut es geht unsere Kräfte einzuteilen, um helfen zu können, erscheinen jede Woche neue Menschen, die helfen möchten. Menschen mit Zuversicht und Energie, die mit anpacken möchten. Die nicht nur zusehen möchten. Und die letztendlich Flüchtlinge zu neuen Nachbarn und Freunden machen.

Es ist ein wunderbares Gefühl zu sehen, dass es ganz, ganz viele gibt, die anpacken, die kein Verständnis für Pauschalisierung, Vorverurteilung und Fremdenhass haben, sondern die sich ein eigenes Bild machen. Die Hoffnung haben, die sehen, dass es uns gut geht und die andere auch ganz einfach daran teilhaben lassen wollen. Das gibt mir Mut in Phasen, in denen ich zweifle, in denen ich Angst vor einem rechten Deutschland habe, in denen mir die Kraft ausgeht und in denen ich denke es bringt alles nichts, wenn so viele nicht wollen, dass es was bringt. Doch es bringt was. Wir sind viele. Wir sind nicht alleine. Bitte vergesst das nicht.

Foto: sterntaler62 /pixelio.de

Foto: sterntaler62 /pixelio.de

Mensch sein, Herz zeigen

Liebe Menschen im Internet,

Humanity & Peace for the worldich mag euch wirklich, auch wenn wir uns nur virtuell kennen. Ich finde es wunderbar, verschiedene Ansichten und Meinungen zu lesen, auch wenn sie nicht meinen entsprechen, und ich bin eine absolute Verfechterin der Meinungsfreiheit. Jeder Mensch ist, denkt und fühlt anders. Ich empfinde das als Bereicherung. Wenn es allerdings um die Flüchtlinge und ihre derzeitige Situation geht, muss ich sagen, dass einige von euch Sprüche, Kommentare, Meinungen und angebliche Witze in die Welt posaunen, die falsch, ignorant, uninformiert, rassistisch, menschenverachtend oder alles zusammen sind.

Wer von euch hat Kinder oder Enkel? Wer von euch würde alles für sie tun? Wer von euch würde sie aus einem Kriegsgebiet in vermeintliche Sicherheit bringen wollen, um ihr Leben zu retten, selbst wenn der Weg selber Lebensgefahr bedeutet? Wer von euch wünscht seinen Kindern ein besseres Leben als ihr, eure Eltern oder Großeltern es hattet? Und mal Hand aufs Herz: Wer von euch ist jeden Tag für das Glück dankbar, hier geboren worden zu sein – was nur ein glücklicher Zufall war? Wer von euch denkt wirklich über die Bedeutung von Nächstenliebe und Menschlichkeit nach? Wer von euch hat seine Meinung angesichts der aktuellen Lage geändert und vergessen, was es heißt, anderen Menschen zu helfen? Und wer von euch hat einfach nur Angst, etwas abgeben zu müssen, obwohl er alles im Überfluss hat?

Betrachtet man unsere Welt von oben aus dem Weltall, so gibt es keine Grenzen. Grenzen werden auf Landkarten eingezeichnet. Und zwar von Herrschern, Kriegsgewinnern und Politikern. Das bedeutet, dass wir alle nur Bewohner dieser Welt sind. Unsere Nationalität ist nichts als Zufall. Wo bleibt also die Menschlichkeit? Wäre es nicht großartig, wenn wir all unsere Vorurteile und Meinungen für einen Moment zur Seite schieben könnten und uns in die Situation derer versetzen, die ihr Leben riskieren, um das zu bekommen, was für uns völlig selbstverständlich ist – ein „normales“ Leben in Frieden und ohne Hunger?

Bitte denkt in Ruhe darüber nach, ob ihr eure Einstellung wirklich so beibehalten wollt, statt euch und euer Herz zu öffnen und euch mit echten Fakten auseinander zu setzen. Versteckt euch nicht hinter Meinungen, die nichts als falsche Propaganda sind. Informiert euch, sprecht mit Flüchtlingen, bildet euch eure eigene Meinung. Habt Mut, zu widersprechen, wenn jemand stumpfe Stammtischparolen ohne Wahrheitsgehalt erzählt. Behauptet nicht, dass es falsch ist, diesen Menschen zu helfen und dass dies zur Katastrophe führen wird. Es kann nicht falsch sein, Menschen zu helfen, die gerade unsere Hilfe brauchen. Diese Menschen möchten euch weder euren Job wegnehmen, noch kommen sie, um die Sozialleistungen ausnutzen – sie haben viel zu große andere Probleme. Die meisten möchten nicht eurer Mitleid und sind nicht in ein fremdes Land geflohen und haben ihre Heimat verlassen, um euch alles wegzunehmen. Sie kommen mit dem Allernötigsten in ein fremdes Land, dessen Kultur und Sprache ihnen fremd ist, in dem sie Fremde sind und dennoch sind sie willens, alles zu tun, um wirklich anzukommen. Es ist unsere verdammte menschliche Pflicht, ihnen zu helfen!

Natürlich muss auf lange Sicht das Ziel sein, Stabilität und Frieden im Nahen Osten und in Afrika zu erreichen. Das entbindet uns aber nicht von unserer menschlichen Pflicht, jetzt zu handeln und diesen Menschen zu helfen. Denn Frieden und Stabilität können wir gerade nicht auf Knopfdruck herstellen. Aber wir können den Menschen, denen wir begegnen, helfen. Helfen, ihre Würde zu bewahren, sich einzuleben, die Sprache zu lernen, schlimme Erlebnisse verblassen zu lassen und ihr Lächeln wiederzufinden.

Zeigen wir diesen Menschen also, dass wir auch nur Menschen sind und heißen sie mit einem Lächeln willkommen. Denn ein Lächeln kann für diese Menschen heißen: „Hey, komm her, hab keine Angst mehr. Wir sind da für dich in dieser Zeit, wo du es am dringendsten brauchst. Wir sind alle Menschen und wir sind für einander da.“

Eure Miriam

Dies ist ein Beitrag im Rahmen der Aktion „Blogger für Flüchtlinge“. #bloggerfuerfluechtlingeInstagram-bloggerfuerfluchtlinge-300x300

Wenn du jetzt etwas tun oder dich informieren möchtest, findest du hier hilfreiche Links:

Tipp: Märchenadventskalender

ruth_adventskalender

Meine Übersetzer-Kollegin Ruth Frobeen aus Hamburg macht neben Übersetzungen noch ganz andere wunderbare Dinge. So schreibt sie Märchen für Pärchen aus deren eigener Geschichte. Sie schreibt aber auch Märchen in Form eines Adventskalenders. Ich habe mir die Geschichte „Mucke und das Schleifenmädchen“ ausgesucht, die mir Ruth zugesendet hat. Das Märchen ist in 24 bunten Umschlägen versteckt und wenn man die ersten beiden Teile der Geschichte erst gelesen hat, dann möchte man am liebsten direkt alle Umschläge aufreißen. Ruths Geschichten betören durch phantasievolle Figuren mit lustigen Namen und ausgeschmückten Bildern, die sich beim Lesen im Kopf verselbstständigen. Ich bin völlig begeistert von Ruths Schreibtalent, ihrer Kreativität  und Phantasie. Beneidenswert!

Das Märchen „Mucke und das Schleifenmädchen“ ist für Kinder und Erwachsene, die Märchen lieben, gleichermaßen geeignet. Es kann vorgelesen oder selber gelesen, verschenkt oder für sich selbt gekauft werden. Ich möchte Euch diesen Märchenadventskalender deshalb sehr ans Herz legen. Bestellen könnt Ihr ihn hier.

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