Archiv der Kategorie Unterwegs im Internet

Wertschätzung des/r Dolmetschers/in

Man benötigt zum Dolmetschen keine spezielle Bildung, man sollte nur auch Kenntnisse in der Reinigung von Sanitäranlagen haben. Is klar. Folgende Stellenausschreibung war vor kurzem auf http://ec.europa.eu/eures/eures-searchengine/ zu finden:

Stellenanzeige Dolmetscher/Raumpfleger

Spanische Bücher finden leicht gemacht

Meine Neuentdeckung: http://www.newspanishbooks.de/

Auf dieser wunderbaren Homepage kann man sich ansehen, welche Neuerscheinungen es auf dem spanischen Buchmarkt gibt. Zudem kann man nach Büchern suchen, die noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden und findet bei jedem Buch auch die Informationen über den Inhaber der Übersetzungsrechte inklusive Kontaktdaten. Das ist doch mal ein feiner Service für uns Übersetzer, die wir sonst mühsam nach solchen Infos suchen, wenn wir ein Buch finden, von dem wir denken, dass es der deutsche Markt unbedingt braucht.

Hegemanns Welt

Nein, ich habe “Axolotl Roadkill” noch nicht gelesen. Aber die entbrannte Diskussion finde ich äußerst spannend. Auch wie eine jetzt 18-Jährige das Ganze sieht. Und vermutlich werde ich aus genau diesem Grund das Buch auch nicht lesen, aber bestimmt mal beim Blogger “Airen” vorbei schauen.

Hier ein toller Kommentar von Elke Heidenreich:

“Helene und die Brotgelehrten”

Twitter - Fröhliches Gezwitscher im Selbstversuch

Stichwort Social Media. Twitter hat dieses Jahr über 2.000 Prozent (!) Zuwachs. Das musste ich mir natürlich genauer ansehen und habe mich dort angemeldet. Inkognito natürlich.

Zunächst einmal: Ich bin tatsächlich positiv überrascht worden. Ich hatte vorab eine vollkommene Abneigung gegen Kommunikation im 140-Zeichen-Zwang. Deswegen kann ich mich bis heute auch noch nicht mit SMS anfreunden, da ich ein kurzes, aber persönliches Telefonat nach wie vor für die bessere Art der Kommunikation halte. Aber bei Twitter treiben sich erstaunlich viele Kollegen aus der Texter-Übersetzer-Bloggerwelt rum und sind zuweilen höchst unterhaltsam. Aber von vorne.

Nachdem ich meinen Zugang eingerichtet hatte und dabei recht wenig über mich Preis gegeben habe, wie Wohnort, Hobbys und Beruf, saß ich zunächst hilflos davor und beobachtete das Geschehen. Getwittert habe ich anfänglich über meine momentane Stimmung, das Wetter und manchmal über meine Arbeit. Also alles Dinge, von denen ich annahm, dass sie keinen interessieren dürften. Plötzlich kamen die ersten Follower, die mein Gezwitscher verfolgten. Innerhalb weniger Tage waren es über 20. Ich staunte und fing an, mich umzusehen, wer sich Interessantes dort rum trieb. Ich fand ein paar Leute, deren Profil mich ansprach und deren Tweets ich ganz unterhaltsam fand. Interessanterweise lernt man sich ja mit der Zeit ein bisschen kennen und die Leute dort waren bzw. sind erstaunlich höflich, kreativ und nett im Umgang miteinander. Plötzlich wurde ich weiterempfohlen. Mein Staunen wuchs. Ich habe nichts dafür getan, weder mir besonders spannende Dinge ausgedacht, noch Werbung für mich gemacht oder sonstiges. Inzwischen habe ich 160 (!) Follower. Dazu kommen nochmal jede Menge Möchtegern-Follower, die ich gesperrt habe, da ich sie für unseriös oder Spam hielt.

Denn damit kommen wir zum ersten Punkt, der mir dort sauer aufstößt. Es treiben sich auf Twitter natürlich jede Menge Menschen rum, die dort auf sich aufmerksam machen möchten im Sinne von Werbung. Leider halte ich Twitter dafür ungeeignet. Vor allem, wenn man es auf die plumpe Art versucht (”Hallo, schön, dich gefunden zu haben, schau doch mal auf meine Homepage XY”). Sicher nutzt es der ein oder andere Texter oder Übersetzer als Werbung für sich, da er dort hochpoetisch oder sonstwie kreatisch twittert und damit potenzielle Kunden anlockt. Das ist nicht mein Ding. Ich möchte dort unerkannt bleiben, damit ich ich bleiben kann und auch mal persönliche Dinge einfach loswerden kann, die ich ungern publik machen möchte (”Mein neuer Kunde strengt mich an.”). Endlich hatte ich einen Platz für meinen Gedankenmüll gefunden und dort haben Kunden nichts zu suchen. Außerdem betreibe ich Akquise lieber anders. Ich hab es als Unterhaltung gesehen, die für mich in den Bereich “Freizeit” fällt.

Apropos Unterhaltung. Unterhalten möchten auch die ganzen Britneys, die sich auf Twitter rumtreiben. Das sind zeigefreudige Damen, die meist als Foto irgendwelche Körperteile haben und in jedem Tweet auf ihre Videos aufmerksam machen. Das nervt gewaltig, denn daran habe ich keinen Bedarf und es dient vermutlich auch nicht dem eigentlichen Twitterzweck, weshalb solche Spammer auch recht zügig gesperrt werden.

Was mir außerdem gar nicht gefallen hat, ist der Leistungsdruck unter den “coolen” Twittern. Es gibt dort einige, deren Tweets man wirklich gerne liest. Besonders bei den Textfrauen zeigt sich aber, dass häufig die Zahl der Follower ausschlagebend ist für die Messlatte des eigenen Erfolgs (”Meint ihr ich schaffe heute die 1000? Helft mir!”), ebenso die Anzahl der Favs (favorisierte Tweets, die markiert werden) und seit neustem auch die Listenzugehörigkeit. Das brauche ich gar nicht und ich kann es auch nicht verstehen, dass man sich selbst daran misst. Schließlich befinden wir uns im Internet und ich begreife nicht, warum ich hier mein Ego aufpolieren sollte. Genauso befremdlich ist es für mich, dass dort einige behaupten, sie werden dort richtig verstanden und könnten sich zeigen, so wie sie sind und würden nicht - wie sonst - nach Klamotten oder Äußerlichkeiten beurteilt (”Was ist die Faszination von Twitter?” - “Plötzlich wird Coolness in Hirn gemessen.”). Das finde ich etwas seltsam. Denn wenn ich mich nur dort auslassen kann, aber mich im realen Leben ewig unverstanden fühle und in gewisser Art den anderen auch überlegen, denn schließlich wissen sie nicht, was eigentlich total Tolles in mir steckt, läuft dann das Leben nicht eigentlich an mir vorbei?

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Mein Fazit: Interessante Menschen kann man dort treffen und sich nett unterhalten (lassen), es wird einem bei (technischen) Problemen schnell geholfen und sogar einen Auftrag habe ich über Twitter erhalten. Gleichzeitig hat es aber einen unverkennbaren Suchtfaktor, da manche offensichtlich beginnen, mit der Angst zu leben, man könnte einen unheimlich interessanten Tweet verpassen, da das ganze recht schnelllebig ist. Außerdem sind 140 Zeichen definitiv zu kurz für ernsthafte Kommunikation, sondern gewährt lediglich Einblicke. Oder um es mit den letzten Worten eines Twitterers zu sagen: “Mein letzter Tweet. Am WE wird der Account gelöscht. Lebt wohl. Und danke. Zu erreichen nur noch per Mail und Skype.”

Mädchen und Jungs lernen anders?

Auf der Internetseite von PONS habe ich entdeckt, dass es neue Diktat- und Textaufgaben-Bände gibt. Und zwar nicht irgendwelche, nein, sondern geschlechterspezifische Diktat- bzw. Textaufgabenübungen.

Im ersten Moment dachte ich wirklich, es sei ein Scherz. Leider meint der Verlag es bitterernst. So heißt es in der Pressemitteilung des Verlags: „Wenn etwa Jungs Treppendiktate erlaufen, wird ihre natürliche Bewegungsfreude positiv für das Lernen genutzt. Handelt der Text dann noch von spannenden Raumschiffabenteuern, ist Aufmerksamkeit vorprogrammiert. Mädchen finden ihre heißgeliebten Pferde genauso wieder wie kreative Anregungen zum Basteln oder Geschichten erfinden.“ Aha. Jungen bewegen sich also gerne, finden Piraten und Dinosaurier toll und sind technisch interessiert, Mädchen hingegen lieben Pferde, Meerjungfrauen, romantische Regenbögen und basteln gerne.

Mädchen lernen andersJungen lernen anders

Ich bin schockiert, denn ich dachte, ebendiese „geschlechtertypischen Themen“ seien Geschichte. Ist doch allseits bekannt, dass es durchaus zur Vermischung der Interessengebiete der einzelnen Geschlechter gekommen ist, seitdem man den Kindern ihren Freiraum lässt und eben nicht nur genderspezifisches Spielzeug anbietet. Dazu sagt Sebastian Weber, Verlagsleiter PONS Selbstlernen: „Wir wollen nicht altbekannte Klischees zementieren, sondern die Kinder da abholen, wo sie stehen“. Aha. Dass Herr Weber damit aber die altbekannten Klischees bestätigt, hat er wohl nicht bemerkt.

Ich frage mich, wie es in heutigen Zeiten zu solchen Büchern kommen kann. Mädchen werden in allen Bereichen Möglichkeiten geboten und der inzwischen etablierte „Girls-Day“, wird mehr als dankend angenommen. Selbst ein „Boys-Day“ gehört inzwischen zum normalen Ablauf in Schulen. Mit diesen genderspezifischen Übungen jedoch wird bereits kleinen Mädchen und Jungen gezeigt, was sie gefälligst zu interessieren hat. Und wo sie sich einzuordnen haben. Das gesamte Vokabular ist darauf ausgelegt, die zart beseiteten Mädchen anzusprechen und die harten Jungs stärker zu machen. Dabei ist doch ein Erfolg der Emanzipation, dass auch Mädchen ihre Stärken ausleben dürfen, ebenso wie Jungen sich von ihrer weichen Seite zeigen dürfen. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ ist passé? Von wegen.

Das finde ich wirklich traurig. Ob man darüber bei PONS mal nachgedacht hat? Es gibt sicher Unterschiede in der Art, wie Kinder lernen. Da sollte man ansetzen. Und nicht bei den gängigen Jungen-Mädchen-Klischees.

Nachtrag: Kommentar von PONS zur Kritik ist hier nachzulesen:

http://fehlermeldungen.pons.eu/2009/10/pons-diktat-ubungshefte-in-der-kritik/ 

Rechnen mit Prinzessin Rosarot - PONS Online-Diskussion 3.11.09 from PONSeu on Vimeo.

Lilo Wanders übergibt 2 Millionen Kondome an Deutsche Aidshilfe

 Schaut es euch selbst an:

http://d1ri4f2b02ge52.cloudfront.net/186_1_otsvideovod.mp4

Es gibt noch Menschen mit Herz!

Auf einem tollen Blog habe ich eine wunderbare Geschichte gelesen, sie heißt “Im Vorübergehen“. Bitte lesen! Sie hat mich so berührt. Es gibt noch Menschen mit Herz. Und manchmal sind es genau die, von denen man es am wenigsten vermutet. Da kann man nur noch schlucken.

Technik für die Frau oder lieber rosa für die Frau???

In meiner Mittagspause habe ich folgenden Bericht im Kölner Stadtanzeiger entdeckt: Technik für die Frau… Was ich über das Thema denke, gleich, aber was will uns die Autorin sagen? Ich denke, sie findet es furchtbar, aber leider traut sie sich nicht richtig, dies deutlich zu sagen. Ach, das übernehme ich gerne ;-)

Also erst mal hier ein schickes Notebook-Täschen der Firma Sony, extra für die Damen:

Foto: SONY

Na, das ist doch ganz toll. Da haben wir nur drauf gewartet. Dass auch die Notebooks selber, die Handys und die Kameras nun rosa werden, kommt uns doch wirklich entgegen.

Foto: SONY

Da wir sowieso keinen Technikverstand besitzen, können wir uns nun wenigstens über das hübsche Aussehen der Technik freuen. Am Besten fände ich noch, wenn es nur solche Attrappen wären, denn bedienen werden wir ein solches Gerät wohl kaum können. Ich frage mich ernsthaft, was sich die Entwickler und die Marketingabteilung überlegt. Ich selber bin mal wegen eines neuen Mobiltelefons in einen Laden  gegangen und die erste Frage des Verkäufers war: “Ein Aufklapphandy oder zum Schieben?” “Also, mir wäre es wichtig, dass ich damit telefonieren kann…” Er hat leider gar nicht verstanden, was ich ihm damit sagen wollte. Besonders schön war dann die Erklärung auf meine Frage, welche Unterschiede denn die Kameras bei zwei Mobiltelefonen aufweisen würden. “Ne, die sind eigentlich alle ungefähr gleich.” Aha, ist klar.

Fakt ist, dass frau technikmäßig unterschätzt wird. Zudem steigt die Kaufkraft bei Frauen und  sie sollten als Zielgruppe wertgeschätzt und ernst genommen werden. Beispielsweise ist bei Autos schon lange bekannt, dass frau mehr Wert auf Komfort und praktische Aspekte legt. In der Autoindustrie wird dies inzwischen gut berücksichtigt. Aber die Computerbranche scheint da hinterher zu sein. Schade. Ich jedenfalls möchte meine Notebooks nicht nach Farbe, sondern technischen Aspekten aussuchen.  Und wenn es mir keiner erklärt, dann mach ich mich eben selber schlau, was ich brauche. Eins ist dabei sicher: Ich brauche kein PINK!

Kommunikation im Rückwärtsgang

Am Anfang verständigte der Mensch sich über Gestik und Mimik. Ziel war überleben, also: Partner oder Partnerin finden, fortpflanzen, jagen und sammeln. Die Probleme dieser Zeit waren allerdings auch begrenzt. Entweder fand man Nahrung oder man verhungerte. Man suchte einen Partner und vermehrte sich oder auch nicht. Vermutlich wurde eine Art Gebärdensprache benutzt, die für diese Zwecke ausreichte. Die Entwicklung des Menschen brachte mit sich, dass daraus eine Lautsprache wurde und sich bis zu den heutigen Sprachen entwickelte. Man konnte also deutlich besser kommunizieren, denn man konnte sprechen und Gestik und Mimik benutzen, um das, was man mitteilen wollte, besser zum Ausdruck zu bringen.

Diese Fähigkeit wurde sehr lange genutzt und präzisiert. Die Schrift kam hinzu und brachte zu Papier, was man anderen sagen wollte. Dabei spielte die Schrift eine wichtige Rolle, denn sie gab dem Ganzen einen Charakter, ja, sie sagte auch einiges über die Person aus, die einem schrieb und vor allem zeigte sie, wie viel Mühe sich der Autor des Briefs gab. Als das Telefon erfunden wurde, ging ein Aufschrei durch die Menschheit: Da war eine Stimme, obwohl der andere an einem ganz anderen Ort war – was für ein Wahnsinn! Abgesehen von Funkgeräten und dem – ich sage mal - Zwischenschritt zum Mobiltelefon, war die nächste Stufe die Kommunikation das Internet. Da sind wir nun.

Menschen kommunizieren, tauschen sich zu Problemen aus, diskutieren mit wildfremden Menschen über noch fremdere Themen, schreiben sich E-Mails mit anderen Menschen, die sie noch nie im Leben gesehen haben. Das hat ja auch seine Vorteile. Aber Menschen gehen im Internet auch auf Partnersuche. Das ist die logische Konsequenz aus diesem Rückschritt in der Entwicklung. Denn Menschen haben die Möglichkeit raus zu gehen, joggen, in die Kneipe, Disco, den Sportverein oder die Volkshochschule, aber nein, was machen sie: Sie suchen in der virtuellen Welt die Person, mit der sie (und die mit ihnen!) das Leben verbringen möchte. Zugegeben: Nicht jeder sucht dort den Partner für das Leben. Manche suchen auch nur sehr, sehr kurze Zusammentreffen – sei es real oder virtuell. Aber ein beachtlicher Anteil der Menschen sucht tatsächlich nach einem Partner.

Was macht diese Faszination aus? Warum sucht man im Internet, wo man den anderen nicht hört, sieht, sein Gesicht nicht beim Sprechen sieht, die Nuancen in Sätzen nicht hört, nicht zwischen den Zeilen lesen kann und die Ehrlichkeit der Worte nicht spürt? Menschen, die im wahren Leben nie aufeinander getroffen wären, warten sehnsüchtig auf eine Nachricht des anderen, rufen ihre E-Mails ab, sind nächtelang in Chaträumen und hören sich die Nichtigkeiten der Mit-Chatter an, nur um hingebungsvoll auf den Log-In des Unbekannten zu warten. Es hat sicher eine Faszination, die das Unbekannte immer unweigerlich auf Menschen ausübt. Aber es hat auch so viele Tücken. Jeder, der regelmäßig E-Mails schreibt, weiß, welche Tücken in dieser Form der Kommunikation lauern. Smileys wurden erfunden, um das Ganze verständlicher zu machen und trotzdem kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Der eine hat etwas ironisch gemeint, während der andere es bitterernst nimmt und in den falschen Hals bekommt. Keine Handschrift gibt Auskunft über den Urheber, man hat keinen persönlichen Eindruck, der das Bild des Gegenübers rund macht. Man macht sich darum selber eins (denn das projiziert der Kopf unwillkürlich) und ist überrascht, im besten Fall erfreut, wenn man die Person dann tatsächlich trifft. So geht das ständig. Die ganzen Missverständnisse können ja schon passieren, wenn der Gesprächspartner gegenüber sitzt. Wie also wollen Menschen wissen, ob die Person, mit der sie gerade per E-Mail kommunizieren, tickt? Ist die Enttäuschung nicht riesig, wenn man dann denkt: „Ach, der ist ja ganz anders als ich dachte“?

Anderseits ist es erstaunlich, wie viele dieser Menschen tatsächlich zu Paaren werden. Es scheint ja zu funktionieren. Trotzdem mutet es seltsam an und die reale Welt bedeutet etwas ganz anderes. Die Art und Weise wie man im Ganzen ist, mit Stimme, Ohren, Mimik, Gestik, Gang, Lachen und dem Mensch als Individuum ist und bleibt hoffentlich unersetzlich. Denn sonst sind wir wirklich mitten im Rückschritt. Rein bezüglich der Entwicklung der Kommunikation gesehen.

Warum googelt man sich selber?

Jemanden zu „googeln“ hat sich als beliebte Möglichkeit etabliert, über Bekannte, Freunde, Ex-Leute, Nachbarn, zukünftige Arbeitgeber, ehemalige Arbeitgeber, Bewerber und den Rest der Welt mehr zu erfahren. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich mich selber das erste Mal gegoogelt habe.

Es war Anfang 2001, ich wohnte noch in einer WG, in der mein Mitbewohner bereits stolzer Besitzer eines Internetanschlusses war. Mir selber war das Medium Internet und selbst ein Computer damals noch relativ fremd, wenn gleich es auch einen großen Reiz auf mich hatte. Mich faszinierten die Möglichkeiten, die sich mit einem Internetanschluss eröffneten. Und in meinem Kopf wurden es täglich mehr. Eines Abends, als ich erfahren hatte, an einer relativ seltenen Erkrankung zu leiden, durchsuchte ich das Internet nach Informationen dazu. Dabei stieß ich ein Forum von Betroffenen, sie sich untereinander austauschten. Es sollte das erste Forum werden, das ich ahnungslos besuchte. Ahnungslos deshalb, da ich noch nichts von Suchmaschinen im Allgemeinen und Google im Speziellen wusste. Da mir deren Mechanismen völlig unbekannt war, begang ich einen groben Fehler: Ich loggte mich mit meinem realen Namen ein und stellte naiv eine Frage, die mir auch ein selbst ernannter Experte schleunigst beantwortete. Ich bedankte mich höflich und das Thema war damit erstmal abgehakt, ich war beruhigt, dass auch andere unter der Krankheit litten und dachte nicht weiter darüber nach. An besagtem Abend aber saß ich gemeinsam mit meinem Mitbewohner vor dem Internet und wir erforschten die Möglichkeiten des Internets. Bis wir auf die Idee kamen, mal zu schauen, was passierte, wenn wir uns selber googeln würden. Bei meinem Mitbewohner kamen nur Einträge, die nichts mit ihm zu tun hatten, da er einen in Deutschland häufigen Namen hat. Bei mir hingegen kamen mehrere Treffer und bei den ersten konnte man in dem von Google gezeigten Ausschnitt einen Teil meiner Frage, die ich damals im Forum stellte, lesen. Ich erschrak und scrollte hektisch nach unten, da dies Intimitäten freigab, die ich ungern mit meinem Mitbewohner teilen wollte. Aber Hilfe – wenn er das sehen kann, kann es ja auch der Rest der Welt sehen. Das war ja furchtbar! Wer würde alles auf die Idee kommen, meinen Namen zu googlen? Ich redete mir ein, dass ich mich nicht so wichtig nehmen dürfte, wer sollte schließlich auf so eine Idee kommen? Aber wir machten das ja auch gerade mit Bekannten, warum also sollten andere nicht auch auf die Idee kommen? Oh Nein!

Mein Mitbewohner fragte, was los sei und da leugnen zwecklos war, zeigte ich ihm die Treffer. Er lachte sich fast vom Stuhl, ich hingegen war leicht panisch. Ich fragte ihn, was ich tun könnte. Er meinte nichts, was da stünde, stünde da. An diesem Abend ging ich mit dem Gedanken ins Bett, dass nun für alle Ewigkeit meine intimen Details im Internet für jeden auffindbar seien. Mit dämmerte, dass das Internet nicht nur positive Seiten hat. Um das Ganze abzukürzen: Zirka zwei Jahre später entdeckte ich beim Googeln erleichtert, dass die Treffer nicht mehr erschienen. Ich wusste inzwischen auch mehr über Google & Co. Und hakte das Thema erleichtert ab.

Was ich nicht abhakte bzw. beibehielt, ist Menschen zu googeln. Es ist lustig zu sehen, was bei manchen Personen angezeigt wird. In erster Linie allerdings zeigt es eigentlich nur, ob derjenige wusste, was er im Internet tat und eventuell sogar in gewisser Weise steuert, was von ihm angezeigt wird oder er sich unbedarft – wie ich damals – im Internet bewegt. Da ich inzwischen beruflich viel mit dem Internet zu tun habe, ist für mich klar, worauf ich achten muss, vielen anderen hingegen nicht. Besonders wenn Menschen wenig surfen oder noch nicht lange, passiert es immer wieder, dass sie Spuren hinterlassen, die nicht immer gewünscht sind.
Da ist von Hämorrhoiden die Rede, manche tauscht sich über den Kinderwunsch im Internet aus, andere haben Bücher bei Amazon bewertet oder Wunschlisten angelegt, welche Schule man besucht hat, ist häufig zu lesen oder auch wie man das Hotel im letzten Mallorca-Urlaub fand. Peinlicher sind da schon solche Treffer, wie Fotos von der letzten Party, bei der man sich richtig abgeschossen hat oder berufliche Restspuren, die man gerne beseitigen würde. Was ich allerdings von einer Kollegin fand, die wohl sehr internetaffin ist, überstieg die Peinlichkeitsgrenze immens: Sie beschrieb in Details, von denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie irgendjemanden interessieren, wie Mann am besten eine Frau fisten kann. Der Bericht zog sich über drei Seiten, ich las mit angeekelter Faszination, was diese Frau dort von sich preisgab. Zudem antwortete sie hilfsbereit auf Fragen von anderen Nutzern, die diese Technik wohl nicht so perfekt beherrschten wie sie. Ich war erleichtert. Dagegen war meine Frage damals ganz harmlos. Ich brauche mich gar nicht schämen. Und google mich selber regelmäßig weiterhin - zur Sicherheit.