Monatsarchive: Januar 2014

Erhaltenswert und ganz besonders – Art der Gynäkologie und Geburtshilfe in Eitorf

Es wird noch demonstriert, Fragen wurden bisher wenige zufriedenstellend beantwortet und doch viele gestellt und trotzdem geht ein extrem wichtiger Punkt in der Diskussion um die Eitorfer Gynäkologie unter. Es geht hier nicht nur um die Erhaltung irgendeines x-beliebigen klinischen Standorts mit der Möglichkeit der Entbindung. Es geht um eine mühevoll aufgebaute und in ihrer Art sehr besondere Station. Da dies in meinen Augen bisher viel zu wenig hervorgehoben wurde, möchte ich diese besondere Art der Gynäkologie und Geburtshilfe von Frau Dr. Olmos und ihrem Team hier erläutern. Denn anhand vieler Texte und auch Kommentare auf Facebook scheint es mir, dass viele Frauen bisher gar keine Ahnung hatten, welch besondere Art der Behandlung sie hier genossen haben. Und ob der DKU ebendies klar ist, bin ich mir auch nicht sicher. Diese Art der Gynäkologie und Geburtshilfe hat in meinen Augen besondere Wertschätzung verdient.

Bei den Recherchen zu diesem Text wollte ich mir nochmal die Seite der Homepage des Krankenhauses ansehen, die aber leider inzwischen offline ist. Seltsamerweise ist die Babygalerie noch online. Schön wäre hier eine Info von Seiten der DKU. Es sind viele Fragen offen.

Im Kölner Raum ist die Geburtshilfe nach dem „Bensberger Geist“ bekannt. Nach diesem Prinzip hat Frau Dr. Olmos in Eitorf über mehrere Jahre die Station aufgebaut. Der „Bensberger Geist“ beinhaltet den respektvollen Umgang mit der Frau. Es wird in der Gynäkologie sowie der Geburtshilfe so schonend wie möglich und so umfassend wie nötig eingegriffen. Entscheidungen werden gemeinsam mit der Frau getroffen, sie wird in Fragen und Prozesse einbezogen und nicht mit medizinischer Fachsprache konfrontiert, auf die sie in der Regel sowieso nicht eingehen kann und das Sprechzimmer nur mit vielen Fragezeichen im Kopf verlässt. Frauen werden ernst genommen und es wird vor allem in der Geburtshilfe versucht, ihr Selbstvertrauen in ihre eigenen Kräfte zu stärken. Auch in den natürlichen Prozess der Geburt. In vielen Krankenhäusern wird Frauen, die eigentlich normal gebären könnten, beispielsweise aufgrund einer Mehrlingsschwangerschaft oder Beckenendlage des Kindes zum Kaiserschnitt geraten. Dabei sprechen oft eigentlich keine medizinischen Gründe dafür, die einen Kaiserschnitt indizieren würden. Aber es ist „einfacher“, lukrativer und in der Durchführung eines Kaiserschnitts sind viele Ärzte heute erfahren, bei der Begleitung einer spontanen Geburt aus Beckenendlage leider nicht.

In Bensberg hat Dr. Gerd Eldering die Gynäkologie und Geburtshilfe nach diesen Prinzipien über 20 Jahre lang aufgebaut, nach denen sich auch Frau Dr. Olmos in Eitorf gerichtet hat und in ihrer Arbeit höchsten Wert darauf legt. Die Hebamme und Journalistin Katja Baumgarten hat ein sehr interessantes Interview mit Dr. Eldering zum Thema geführt, welches auch in Bezug auf Wirtschaftlichkeit von Kliniken interessant ist. Dort sagt er unter anderem folgende bedenkenswerte Aussage: Ein vordergründiges Marketing wird sich auf die Dauer nicht halten lassen, sondern nur eine zuwendungsreiche Geburtshilfe. Wenn Betten abgebaut und viele Kliniken geschlossen werden, dann bleiben möglicherweise nur noch vordergründig gut funktionierende Medizineinrichtungen übrig.“ Wer das gesamte, sehr aufschlussreiche Interview lesen möchte, findet dieses hier.

Es ist nicht nur ein sprachlicher Unterschied, ob eine Frau passiv entbunden wird oder aktiv gebärt. Es zeigt, wie mit der Frau und ihren individuellen Bedürfnissen umgegangen wird. Ob auf sie eingegangen wird. Ein hebammengeführter Kreißsaal ist leider eher die Ausnahme, und das, obwohl rein rechtlich gesehen bei einer spontanen Geburt in einer Klinik ohne Komplikationen und Risiken kein Arzt, wohl aber eine Hebamme anwesend sein muss. Der Kreißsaal ist in den meisten Krankenhäusern ein nüchterner Raum, der eher an einen gekachelten OP erinnert, als an einen Ort, wo ein kleiner Mensch das Licht der Welt erblicken möchte. Es ist dort in der Regel kalt und ungemütlich. In einem solchen Raum, muss Frau sich dann auf sich konzentrieren und loslassen können, was erwiesenermaßen nicht förderlich für den Geburtsvorgang ist. Die modernisierten und künstlerisch gestalteten Räumlichkeiten in Eitorf erinnern optisch eher an ein Geburtshaus: Die Räume sind in warmen Farben gemütlich gestaltet, es gibt unter anderem eine Gebärwanne und ein Familienzimmer. Dieser Kreißsaal wurde zum Teil mit öffentlichen Geldern finanziert und ist wertvoller Bestandteil der Station.

Frau Dr. Olmos ist für mich eine Visionärin, die für ihre Ziele und Prinzipien steht und auch mit Energie und Tatkraft umsetzt. Sie und ihr Team haben ein ganz besondere Station seit 2007 mühevoll mit viel Herzblut aufgebaut und etabliert (2007: 48 Geburten, 2012: 174 Geburten). Es ist gibt kaum Alternativen, denn das Angebot in Eitorf war in der Region bisher einzigartig. Auch eine Wiedereröffnung der Station ohne Frau Dr. Olmos würde mir sinnlos erscheinen, denn die Qualität ihrer Arbeit ist nicht mal eben zu ersetzen. Frau Dr. Olmos hat lange gekämpft, um die Station zu dem zu machen, was sie bis zur Schließung durch die DKU war. Deshalb kämpfe ich weiter mit für eine Wiedereröffnung der Station unter Frau Dr. Olmos und ihrem Team.

Nächste Demo in Eitorf: Montag, den 27. Januar 2013 um 16 Uhr, Start vor dem Rathaus. Bitte weitersagen!