Monatsarchive: Dezember 2013

Eitorfer Gynäkologie und Geburtshilfe soll geschlossen werden – handeln!

In der letzten Novemberwoche hat das St.Franziskus-Krankenhaus in Eitorf die Schließung der Station Gynäkologie und Geburtshilfe zum 31. Dezember 2013 bekanntgegeben. Dies ist insofern eine Katastrophe, dass in einem ländlichen Bereich eine Gynäkologie und Geburtshilfe fehlen wird, viele Frauen aus dem Bereich Windeck/Herchen werden zukünftig nach St. Augustin oder Gummersbach fahren müssen, was je nach Wohnort bis zu 45 Minuten entfernt ist. Aber es ist für meine Begriffe auch in der Hinsicht eine Katastrophe, dass die durch Frau Dr. Olmos und ihr Team seit 2007 aufgebaute Station etwas ganz besonderes ist. Natürliche Geburten stehen hier im Vordergrund, auf Frauen wird individuell eingegangen (nicht als Nummer behandelt) und Geburten werden hebammengeleitet durchgeführt. Beckenendlagen des Kindes, die in anderen Krankenhäusern mangels Erfahrung nur mit Kaiserschnitt entbunden werden (was im Übrigen für ein Krankenhaus auch deutlich lukrativer ist), werden hier spontan entbunden und auch die Gestaltung des Kreißsaals entspricht diesen Grundsätzen und ist kein steriler Kreißsaal, wie ihn die meisten Frauen kennen. Aber nicht nur in der Geburtshilfe, auch gynäkologisch wurde man bisher bei kleineren Routineeingriffen bestens versorgt. So gut, wie ich es aus anderen Kliniken leider nicht kenne. Bis ich Frau Dr. Olmos durch einen Notfall kennenlernte, fuhr ich immer noch zu meiner Gynäkologin nach Köln. Aber sie und ihr Team waren ein Grund zu wechseln. Frau Dr. Olmos war früher in der Klinik in Bensberg, die im Kölner Raum für ebendiese Art der Geburtshilfe bekannt ist. Wen es interessiert, der kann hier die noch vorhandene Seite der Abteilung sehen.

Das eigentliche Drama besteht aber auch darin, wie das Ganze „ans Licht“ kam. Die Krankenhausleitung, Frau Gabriel, veröffentlichte nebenbei eine News auf der Krankenhausseite (die inzwischen runtergenommen wurde) und informierte am 29.11.2013 auch Frau Dr. Olmos und die Hebammen. Ich habe persönlich mit Frau Dr. Olmos gesprochen, weil sie seit 2010 meine Gynäkologin ist und sie versicherte mir, dass in Gesprächen, die noch im September geführt wurden, keine Rede davon gewesen sei. Auch Zahlen habe sie seit geraumer Zeit nicht gesehen und nichts vom angeblichen „dicken Minus“ der Station gewusst. Auch die Hebammen, die sowieso freiberuflich dort tätig sind, haben auf den letzten Drücker an diesem Termin Bescheid über die Schließung bekommen. Wirkliche Gründe wurden außer einem Defizit nicht genannt.

Bürgersprechstunde – Pflichtveranstaltung, um die Gemüter zu beruhigen?

Nun könnte man meinen, wenn es doch Probleme gab, hätte man sich vorher zusammensetzen und nach Lösungen suchen können. Aber das scheint gar nicht im Sinne der Deutschen KlinikUnion (DKU – man beachte die Unternehmensphilosophie auf der Startseite) zu sein, die das defizitäre Krankenhaus im Jahr 2012 für 1,50 € von der Gemeinde Eitorf erworben hat. Am Montag, den 9. Dezember, lud man zu einer Bürgersprechstunde, da nach Bekanntwerden der Entscheidung deutlicher Unmut unter den Frauen in der Umgebung aufkam. Ich war da, hatte mir auch Punkte notiert und Fragen formuliert, die mich interessierten. Leider wurde bereits an den Gesichtern der Teilnehmer der DKU beim Eintreffen klar, dass hier niemand wirklich Gesprächsbedarf sah, es sah eher nach lästiger Pflichtveranstaltung aus, gepaart mit etwas Angst vor dem motzenden Pöbel. Frau Dr. Olmos hatte man vorsorglich in die eigenen Reihen gesetzt. Meine Vermutung ist, dass man sich gerne gemeinsam mit ihr präsentieren wollte, so, als sei es eine gemeinsame Entscheidung – die es aber nicht ist. Frau Dr. Olmos merkte dann auch recht schnell an, dass sie gerne früher von den Problemen erfahren hätte. Ihr wurde entgegen gehalten, dass man doch bereits auf dem Sommerfest mit ihr gesprochen habe. Sie bestreitet das und ich persönlich glaube ihr. Vielleicht wollte man es ihr durch die Blume sagen, wer weiß. Aber welcher ernsthaft an der Erhaltung einer wertvollen Station interessierte Gesellschafter spricht ein solches Thema auf einem Sommerfest an? Ist das nicht eher etwas, das geplant und strategisch gemeinsam offiziell besprochen werden sollte?

Die Bürgersprechstunde war ein Desaster: viele Fragen, viele wütende Frauen und auch Männer, schwammige Begründungen, keine Antworten. Es wurde nicht klar, was die wahren Gründe für die Schließung sind. Mal wurden die niedrigen Fallzahlen genannt, die sich jedoch stetig steigen, seit Frau Dr. Olmos die Station übernommen hat. Mal waren es fehlende Belegärzte, laut Geschäftsführung habe sich keiner beworben (man habe händeringend gesucht, aber Bewerbungen blieben unbeantwortet!) bzw. fehlen Zulassungen. Mal war das Defizit so hoch, dass nur 600 Geburten jährlich die Station retten könnten – ein munteres Durcheinander. Der Verdacht liegt nahe, dass der wahre Grund ein ganz anderer ist, den niemand vorgetragen hat. Und dass auch die Pläne ganz andere sind. Bei den Beteiligten der DKU machte sich am Ende der Sprechstunde, welches offensichtlich sehnsüchtig erwartet wurde, wie der regelmäßige Blick auf die Uhr verriet, Erleichterung auf den Gesichtern breit. Da so viele etwas sagen wollten und Fragen stellten (die jedoch unbeantwortet blieben), ging ich mit meinem Zettel in der Tasche wieder raus – ohne zu Wort gekommen zu sein. Zu viele wollten reden, nicht alle konnten. Emotionales Reinschreien ist nicht so mein Ding und bringt uns in dieser Sache leider auch nicht unbedingt weiter. Fakten müssen her.

Öffentliche Mittel und Zweckgebundenheit

Zum Aufbau der Station trug ein Teil öffentlicher Gelder bei. Mir hat sich von Anfang an die Frage gestellt, wie lange solche Gelder, die aus den Steuergeldern der Eitorfer Bürger bestehen, zweckgebunden sind. Frau Dr. Olmos hat mir erzählt, dass sie diese Frage bereits im Rathaus gestellt hat und darauf bisher keine Antwort erhielt. Auch wurde ihr mitgeteilt, dass sie darüber auf die Schnelle (also vermutlich nicht mehr in diesem Jahr) keine Antwort erhalten könnte. Warum denn nicht? Dürfen die Bürger denn nicht erfahren, wie die Situation bezüglich der öffentlichen Gelder aussieht? Und warum stehen die Eitorfer dafür nicht auf und haken nach – es sind ihre Steuern! Vielleicht wäre dies sogar der einzige rechtliche Grund, das Ganze anzugehen und abzuwenden. Denn wenn die öffentlichen Gelder zum jetzigen Zeitpunkt noch zweckgebunden wären, könnte man handeln. Ansonsten kann die DKU natürlich machen, was sie will, denn ihnen gehört das Krankenhaus. Auch wenn sie 2012 bei der Übernahme deutlich sagte, dass die Station erhalten bliebe und sich nichts verändern würde. Dass sie nun ihr Wort nicht hält, ist zwar menschlich unschön, aber kein Verbrechen. Da können sich alle noch so lange aufregen und jammern. Man muss Punkte suchen, die wirklich angreifbar und sachlich korrekt sind. Was also ist mit diesen zweckgebundenen Mitteln? Woher bekommt man die Antwort darauf?

Medien

Es wurde in verschiedenen Medien darüber berichtet, aber natürlich geht es hier um einen kleinen, ländlichen Bereich, für den sich wenige interessieren. Die Journalisten waren teilweise lückenhaft informiert oder haben sich von Frau Gabriel überzeugen lassen, die sich sehr bemüht, das Ganze als dramatischer Mangel an Belegärzten hinzustellen. Aber meines Erachtens geht es hier um ein grundsätzliches Problem im Gesundheitssystem. Wirtschaftlichkeit geht vor Versorgungsauftrag. Eine zentralisierte medizinische Versorgung wird unterstützt, obwohl eine hervorragende Station existiert und auch genutzt wird. Warum hebt die DKU nicht diese Besonderheiten der Station hervor und bewirbt und unterstützt sie? Sitzt dort niemand im Vorstand, der einen hippokratischen Eid geleistet hat, sondern nur BWLer und Juristen?

Was passiert weiter?

Für kommenden Montag ist ein Fackelzug (16 Uhr, vom Rathaus zum Krankenhaus) geplant. Aber es muss mehr passieren. Eitorfer Bürger müssen informiert werden und aufstehen. Sich wehren und nicht einfach hinnehmen, was ihnen serviert wird. Wenn wir das Ganze nicht im Sand versickern lassen wollen, dann müssen wir dranbleiben und Fakten rausfinden. Bei der Demo am Montag waren geschätzte 400 Teilnehmer vor dem Rathaus. Dabei betrifft es doch alle Eitorfer. Von denen es sonst bald keine mehr gibt. Erzählt überall davon, mobilisiert Freunde und Bekannte und gebt nicht einfach so auf! Es ist ein so wichtiges Thema.

Bericht des WDR Bonn am 09.12.2013 in der Mediathek

Online-Petition gegen die Schließung der Eitorfer Gynäkologie & Geburtshilfe