Monatsarchive: Januar 2013

Kapselalarm

Seit September 2012 ist sie erhältlich: Die Kapselmaschine für Tee – Special.T. Endlich kann man sich dieses wahnsinnig anstrengende Anstellen des Wasserkochers sparen und auf den Knopf drücken (nachdem man Wasser in die Maschine gefüllt und eine Kapsel ausgewählt hat). Tee gibt es in hübschen Aluminiumkapseln, die laut der Aussage auf der Homepage des Herstellers Nestlé „ewig verwertbar sind“ – kein Wunder, verrotten sie doch auch niemals. Wie aufwendig das Recycling von Aluminium ist, darüber möchte ich jetzt gar nicht schreiben. Nestlé bietet „eine Auswahl von 25 feinen Teesorten, die von den weltweit Top-1 Prozent der Teeplantagen bezogen werden“, eine Kapsel kostet 37 Cent. Nun ja – wer’s mag. Für eine eingefleischte Teetrinkerin wie mich klingt das äußerst unappetitlich und spricht vollkommen gegen die Tradition des Teetrinkens, zu der auch das Aufbrühen von Tee zählt. Stiftung Warentest hat das System sogar schon unter die Lupe genommen: http://www.test.de/Tee-Kapselmaschine-SpecialT-von-Nestle-Teestunde-auf-Nespresso-Art-4475013-0/

Übertroffen wird diese Erfindung für mich nur noch von der Kapselmaschine für Babynahrung mit dem hübschen Namen BabyNes. Dabei sind die Kapseln auf das Lebensalter des Säuglings abgestimmt. Bisher nicht in Deutschland, aber in der Schweiz erhältlich. Hierbei sind die Kapseln, in denen sich Milchpulver befindet, jedoch nicht aus Aluminium, sondern aus Plastik. Vertrieben werden soll es in Deutschland über das Internet und Apotheken und natürlich kostet es auch einiges, sodass es etwas Besonderes ist, wenn man das Gerät stolz in seiner Küche präsentieren kann. Babyernährung auf Knopfdruck eben. Ob Babys, die schon die Milch aus der Kapsel bekommen, später auch Bier aus der Dose trinken?

Der Pärchen-Plural

„Na, wie geht es euch denn?“ – Eine meine Lieblingshassfragen. Bekannt ist ja, dass Pärchen häufig in den Pärchen-Plural verfallen, wenn sie irgendetwas berichten. Es gibt dann plötzlich scheinbar kein Ich mehr, sondern nur noch ein harmonisches Wir. Zwei ehemals unabhängige Individuen verschmelzen zu einem Wir. Das konnte ich noch nie leiden und habe auch versucht, dies immer zu vermeiden. Oft spricht jemand auch von „wir“, wenn er eigentlich nur sich selbst oder nur den anderen meint. „Wir müssten mal wieder putzen!“ – eindeutiger geht es nicht, dass der andere sich bitte schleunigst an die Arbeit machen sollte. Aber was ich meine, sind die Anrufe, in denen ich gefragt werde, wie es uns geht, was wir machen etc. Ich bin bei einer solchen Frage immer etwas irritiert, weil ich nicht weiß, was ich antworten soll. Eigentlich weiß ich auch gar nicht richtig, wer dann alles gemeint ist. Für jemand anderen mit zu antworten wäre für mich so kompliziert, dass ich komplett überfordert bin. Außerdem kann ich nur für mich antworten, es muss doch jeder für sich selber sprechen. Andererseits möchte ich natürlich auch, dass der Anrufer sich für mich interessiert, ernsthaft wissen möchte, wie es mir geht und hören möchte, was ich so mache. Den Eindruck habe ich nicht, wenn ich nach „Euch“ gefragt werde. Andersrum ist es aber genauso nervig: Ich frage eine Bekannte, wie es ihr geht und sie fängt gleich an, zu erzählen, was ihr Mann alles macht und was sie gemeinsam planen etc. Ich bin dann immer etwas ratlos. Denn wenn ich jemanden frage, wie es ihm geht, dann meine ich das auch genau so und möchte es wissen. Außerdem male ich mir aus, wie sich Singles fühlen, die immer nur irgendwas von „Wir“ erzählt bekommen. Soll das die wunderbare Symbiose widerspiegeln, in der man nun lebt? So viel Harmonie, dass es nur noch „Wir“ gibt? Vielleicht verstecken sich manche aber auch hinter dem „Wir“. Oder vergessen selber manchmal, dass es noch was anderes neben „Wir“ gibt. Aber ein „Wir“ besteht doch aus mindestens zwei „Ichs“. Ich finde, das sollte nicht vergessen werden.

(Passt zwar nicht 100%ig zum Thema, aber kennt noch jemand die Lassie Singers? Die Pärchenlüge.)