Jahresarchive: 2011

Weihnachtsaktion von Ärzte ohne Grenzen – statt Karten & Geschenke

Von dem lieben Kollegen Erik Hansson wurde ich vía Facebook heute auf eine tolle Aktion aufmerksam gemacht: Unternehmen Weihnachtsspende. Statt zur Weihnachstzeit Grüße in Form von kleinen Präsenten an liebe Kunden und Partner zu versenden, spendet man an Ärzte ohne Grenzen und macht seine Kunden und Geschäftspartner gleichzeitig darauf aufmerksam. Weil wir nämlich, wenn wir ehrlich sind, doch alles haben. Und andere eben nicht. Eine wunderbare Form der PR wie ich finde.

 

Muttersprachlerprinzip – sinnvoll oder nicht?

Vor kurzem führte ich ein Korrektorat eines englischen medizinisch-wissenschaftlichen Berichts durch. Dabei fiel mir ziemlich schnell auf, dass die Übersetzung aus dem Deutschen von einem deutschen Muttersprachler erfolgt sein musste. Man erkennt es leider am Satzbau, Grammatik, Wortwahl u.v.m. Interessanterweise wurde der Text ursprünglich auch bei mir zur Übersetzung angefragt, aber ich lehnte ab, da ich aus Prinzip nur in meine Muttersprache Deutsch übersetze. Zur Erklärung: Das reine Korrektorat, in dem es „nur“ um Orthografie und Interpunktion sowie Formatierung geht, nehme ich an, denn ich bin in Texten dieser Art sicher.

Nun twitterte ich (ja, ich bin auf Twitter hängengeblieben, siehe auch dieser Eintrag), dass ich etwas genervt von der Übersetzung sei, von der man merkte, dass sie von einem Nicht-Muttersprachler gefertigt worden sei und ich dies für unseriös hielte. Daraufhin antwortete mir eine andere Übersetzerin, dass sie das ganz anders sehe, denn sie übersetze auch in die Fremdsprache und halte dies bei einem muttersprachlichen Lektor für eine gute Kombination, die gelungene Texte hervorbringe.

Ich habe es als Denkanstoß genommen und mir bei dem monatlichen Übersetzerstammtisch auch weitere Meinungen eingeholt. Und ehrlich gesagt ist meine Meinung dieselbe geblieben. Ich finde es unseriös, in die Fremdsprache zu übersetzen. Es gibt sicherlich Ausnahmen, wie beispielsweise Dokumente und Urkunden, bei denen der Inhalt immer wiederkehrend ist. Sicherlich ist es in Phasen, in denen Auftragsflaute herrscht, verlockend und ich habe selber schon mal kurz darüber nachgedacht, es anzunehmen, mich letztendlich aber dagegen entschieden. Denn für Texte, auch wissenschaftlicher Art, finde ich es nach wie vor unseriös. Sprache ist so vielschichtig und letztendlich auch kompliziert, dass man bei manchen Satzkonstruktionen schon in seiner Muttersprache unsicher ist und hin und her überlegt, um einen Satz sauber zu Papier zu bringen. Ich bin der Überzeugung, dass sprachliche Feinheiten, grammatikalische Konstruktionen und stilistische Korrektheit nur von einem Muttersprachler einwandfrei beherrscht werden können. Es kommt in der Fremdsprache unweigerlich zu Fehlern und ich finde nicht, dass das anschließende Lektorat dafür da ist, die Übersetzungsfehler auszumerzen. Wenn es überhaupt ein Lektorat gibt, denn dies ist nicht bei allen Kunden der Fall.

Jetzt kann man das Argument anführen, dass der Nicht-Muttersprachler den Ausgangstext dafür genau versteht. Das mag sein, aber was nützt es, wenn er die Korrektheit in der Zielsprache nicht gewährleisten kann? Selbst bilinguale Übersetzer, die ich kenne, übersetzen stets nur in eine Richtung. Weil sie sich sonst unsicher fühlen und eben die erwähnte Genauigkeit und Korrektheit nicht 100% garantieren können. Bei dem Stammtisch stellte sich übrigens heraus, dass alle nach dem Muttersprachlerprinzip arbeiten, das Lektorat/Korrektorat hingegen gerne von Nicht-Muttersprachlern durchgeführt und als sinnvoll erachtet wird.

Für mich bleibt das Muttersprachlerprinzip die Grundvorraussetzung für qualitativ hochwertige Übersetzungen. Und ich werde weiterhin Kunden, die eine Übersetzung ins Englische oder Spanische wünschen, an meine Muttersprachler-Kollegen verweisen.

Ärzte in sozialen Netzwerken

Gestern erreichte mich folgende Pressemitteilung des Ärztenachrichtendienstes Verlagsgesellschaft mbH (änd):

Neue Studie: So nutzen Ärzte Facebook, Twitter & Co.

Mehr als jeder zweite niedergelassene Arzt nutzt bereits soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Ärztenachrichtendienstes (ÄND) unter den Lesern seiner Portale Facharzt.de, Hausarzt.de und Zahnärztenachrichtendienst.de.

Mehr als 1.000 Mediziner beteiligten sich und machten die Umfrage damit zur größten ihrer Art zu diesem Thema.

„Die hohe Aktivität der Ärzte auf sozialen, nicht-medizinisch geprägten Netzwerken hat selbst uns überrascht“, sagt Karl-Heinz Patzer, Projektleiter für Marktforschung und Umfragen beim ÄND. Doch wie stark nutzen Ärzte diese Medien auch wirklich beruflich? „Auch dazu hat die Studie sehr klare Ergebnisse erbracht“, berichtet Patzer. Klar ist aber auch: Weit mehr als die Hälfte der Ärzte sind fest davon überzeugt, dass Social Media in Zukunft ein weit wichtigere Rolle spielen wird – und sie sich deshalb damit auch intensiver beschäftigen werden.

Sehr klare Aussagen trafen die Befragten auch dazu, was sie sich von solchen Medien in Zukunft versprechen und wünschen. Abgefragt wurde darüber hinaus: Welche Plattformen rangieren auf der Bekanntheits- und Beliebtheitsskale auf den oberen Rängen? Haben die Ärzte dort einen eigenen Account? Wie aktiv nutzen sie die Plattform? Nutzen sie sie auch mobil? Und: Was hindert die „Verweigerer“, sich auf sozialen Plattformen zu engagieren?

Ein Arzt fasste zum Abschluss der Umfrage den Stand der Dinge für sich so zusammen: „Wenn ich Social Networks nutze, will ich mich optimal darstellen. Kostet viel Zeit, wird im Gesundheitswesen mit zunehmender Konzentration kommen und wer überleben will – wie wir – wird sich diesen Entwicklungen nicht verschließen.“

(Im Netzwerk des Ärztenachrichtendienstes (änd) sind über 47.000 Nutzer registriert, es finden sich über 600.000 Beiträge zu medizinischen, technischen und gesundheitspolitischen Themen online. Einzigartig im Internet: Der änd wird seit vielen Jahren von seinen eigenen Lesern finanziert. Mehr als 7.000 Abonnenten zahlen freiwillig für die Nutzung, obwohl der Zugang auch kostenlos zu haben ist.)

Nun gut. Laut dieser Pressemeldung könnte man den Eindruck gewinnen, Ärzte sind ein höchst internetaffines Völkchen. Laut der Bundesärztekammer gab es in Deutschlandim Jahr 2009 knapp 430.000 Ärzte. Das bedeutet, gut 10% sind im Netzwerk des Ärztenachrichtendienstes registriert (was noch lange nicht aktiv bedeutet). Laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) (PDF) waren schon im März 2010 30 Millionen Deutsche ab 14 Jahren Mitglied in mindestens einer Online-Community.  Das sind bei etwas über 80 Millionen Einwohnern weit über 30%. Somit liegen die Ärzte weit unter dem Bundesdurchschnitt, zumal die Gruppe von Menschen mit Abitur und Studium zu 88% im Internet aktiv sind (Quelle: http://www.netz-online.com/2010/08/07/internetnutzung-in-deutschland-2010-ein-wenig-statistik/). So gesehen sind die Ärzte noch weiter abgeschlagen. Dass jeder zweite Arzt das Internet nutzt, stimmt sicherlich nicht, denn es haben bei der Befragung 1.000 Ärzte, die auf den Portalen aktiv sind, teilgenommen. Abgesehen davon, dass 1.000 wohl keine repräsentative Zahl ist, sind die befragten Ärzte ja bereits auf den in der Pressemitteilung genannten Portalen aktiv. Andere Ärzte wurden jedoch nicht befragt. Also gilt hier wohl leider: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Da ich mit Ärzten zusammen im Internet arbeite, fand ich diese Meldung äußerst ämusant, stellt sie die Netzaktivität von Medizinern eindeutig verfälscht dar. Leider ist meine Erfahrung die, dass zurzeit noch sehr wenige Ärzte Interesse am Internet (in beruflicher Hinsicht) haben und dies auch kaum nutzen. Schade. Aber ich bin sicher, dass auch diese Berufsgruppe noch die Vorteile des Internets schätzen lernen und davon profitieren wird.