Monatsarchive: Oktober 2010

Dolmetschen kann doch jeder!

Zum zweiten Mal erreichte mich heute vía Twitter diese Stellenanzeige der Arbeitsagentur Nürnberg:
Dolmetscher und Wäschereihelfer (m/w) Arbeitsort: Eckental
Hier hatte ich mich schon im März darüber geärgert. Daraufhin konnte ich nicht anders, als der Arbeitsagentur Nürnberg folgenden Brief zu schreiben:

Sehr geehrte Mitarbeiter/innen der Arbeitsagentur Nürnberg,

als Diplom-Übersetzerin stößt mir Ihre oben genannte Stellenanzeige, die ich in dieser Formulierung bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres lese, übel auf.

Anscheinend ist Ihnen nicht bekannt, welche Qualifikationen ein/e Dolmetscher/in haben muss, was gerade für Sie als Arbeitsagentur nicht nur bedauerlich, sondern eine Unverschämtheit ist. Dolmetschen und Übersetzen studiert man in der Regel und der Stundenlohn beträgt aufgrund der schwierigen und anspruchsvollen Aufgaben weitaus mehr als zehn Euro. Dolmetschen kann auch niemand mal „so nebenbei“ (neben dem Wäschereijob) machen, sondern es erfordert lange Jahre des Lernens und der Übung sowie eine gewisse Grundbegabung. Selbst ich als Diplom-Übersetzerin würde es mir nicht anmaßen, mal eben dolmetschen zu können, vor allem verhandlungssicher, wie von Ihnen gewünscht. Verhandlungsdolmetschen ist eine eigene Kategorie des Dolmetschens, zu der man gewisse Grundlagen benötigt. Die Stellenanzeige spiegelt leider wider, was viele Unbedarfte häufig über Übersetzer und Dolmetscher denken. Dass das jeder machen kann, der die Sprache beherrscht. Wenn Sie sich mal über die Berufe Dolmetscher/in und Übersetzer/in informieren wollen, lege ich Ihnen die Seite www.bdue.de ans Herz. Es wäre wünschenswert, dass die Mitarbeiter/innen der Arbeitsagentur wissen, welche Qualifikationen nötig sind und welche Tätigkeiten diese Berufe beinhalten.

Es zeugt leider von großer Inkompetenz eine solche Stellenanzeige zu verfassen. Es passt jedoch zu dem Ruf, den die Arbeitsagentur anscheinend nicht ohne Grund genießt. So wurde ich als ich vor einigen Jahren das einzige Mal in meiner Laufbahn für zwei Wochen arbeitslos gemeldet war, nach meinem Beruf gefragt. Nach meiner Auskunft, Übersetzerin für Englisch und Spanisch zu sein, folgte von der Sachbearbeiterin danach die Frage, ob ich Fremdsprachenkenntnisse hätte. Tja, wenn Mitarbeiter wirklich interessiert wären und zuhören sowie mitdenken würden, dann würde dies auch was bringen. So wird leider meist nur ein Pflicht-Frageprogramm heruntergeleiert und man wundert sich, warum die Abneigung gegen die Arbeitsagenturen wächst.

Ich hoffe sehnlichst, dass Sie niemanden für die ausgeschriebene Stelle finden und wenn doch, dass Sie merken, dass Ihren Ansprüchen nicht jeder Unqualifizierte gerecht werden kann.
Ich werde diese E-Mail auch auf meinem Blog www.miriamfunk.online.de veröffentlichen und würde mich über eine Stellungnahme Ihrerseits freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Miriam Funk