Monatsarchive: Mai 2010

Ein Kind? Gerne, aber bitte gesund!

Im Zeitalter der Pränataldiagnostik bieten sich vielen Schwangeren Möglichkeiten, von denen sie vorher gar nichts wussten. Nackenfaltenmessung, Blutwerte, Fishtest, Feinultraschall, Fruchtwasseruntersuchung, Chorionzottenbiopsie und andere Untersuchungen werden im Laufe der Schwangerschaft angeboten. Als sei das ganze ein Wunschkonzert. Viel zu viele Frauen wissen gar nicht, warum und mit welcher Konsequenz sie solche Untersuchungen machen sollten. Schlimmer noch, wenn sie in manchen Fällen sogar einfach so, ohne Einverständniserklärung, durchgeführt werden, oft genug bei den Blutwerten der Fall. Ärzte bieten meist die Untersuchungen zum Selbstzahlerpreis an. Aufklärung, was eine solche Untersuchung bedeutet, welche Risiken sie im Vergleich zum Nutzen trägt, wird dabei oft vergessen. Nicht jede Frau ist sich aber klar darüber, zu was eine solche Untersuchung führen kann.
Die Frage, die sich ja unwillkürlich stellt, ist, was geschieht bei einem schlechten Ergebnis? Die Frage, die sich mir stellt, ist, was ist ein schlechtes Ergebnis? Ein behindertes Kind? Was ist überhaupt behindert? Ist behindert gleichzusetzen mit nicht normal? Wollen wir nur normale Dinge in unserer genormten und uniformen Welt? Welche Krankheiten werden noch akzeptiert und welche nicht? Wer bestimmt die Grenze und sind die Menschen überhaupt in der Lage, Krankheiten einzuschätzen? Ich kenne alleine in meinem Bekanntenkreis zwei Frauen, denen ein Abbruch um die 20.Woche von Ärzten nahegelegt wurde, deren Kinder anschließend beide kerngesund zur Welt kamen. Erschreckend. Viele Menschen denken ja auch, dass das Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung 100%ig ist. Ist es aber nicht. Es kann auch falsch negativ sein. Also bricht man im schlimmsten Fall die Schwangerschaft mit einem gesunden Kind ab, um das Risiko ein krankes zur Welt zu bringen, zu vermeiden?
Ich bin für Schwangerschaftsabbrüche. Ich gestehe jeder Frau das Recht zu, zu entscheiden, wann und ob sie ein Kind bekommen möchte. Ich persönlich kann nur nicht nachvollziehen, warum Frauen teilweise jahrelang einen Kinderwunsch hegen, um dann eine Schwangerschaft bei einer verdickten Nackenfalte abzubrechen. Überspitzt ausgedrückt. Ich habe als Physiotherapeutin lange mit leicht und mehrfach schwer behinderten Kindern gearbeitet und frage mich, warum die Menschen solche Angst davor haben. Man sieht heute kaum noch Kinder mit Down-Syndrom. Warum? Weil sie größtenteils abgetrieben werden. Das macht mich traurig. Ich bin überzeugt davon, dass die Natur vieles regelt. Was nicht lebensfähig, wird sterben. So hart es klingt. Was leben soll, wird leben.

Eine Frau, die keine Pränataldiagnostik durchführen ließ und dann ein Kind mit Trisomie 13 geboren hat, welches zehn Tage nach der Geburt verstorben ist, sagte: „Ich konnte wenigstens meine Schwangerschaft genießen und durfte mein Kind zehn Tage in den Armen halten.“