Jahresarchive: 2010

Dolmetschen kann doch jeder!

Zum zweiten Mal erreichte mich heute vía Twitter diese Stellenanzeige der Arbeitsagentur Nürnberg:
Dolmetscher und Wäschereihelfer (m/w) Arbeitsort: Eckental
Hier hatte ich mich schon im März darüber geärgert. Daraufhin konnte ich nicht anders, als der Arbeitsagentur Nürnberg folgenden Brief zu schreiben:

Sehr geehrte Mitarbeiter/innen der Arbeitsagentur Nürnberg,

als Diplom-Übersetzerin stößt mir Ihre oben genannte Stellenanzeige, die ich in dieser Formulierung bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres lese, übel auf.

Anscheinend ist Ihnen nicht bekannt, welche Qualifikationen ein/e Dolmetscher/in haben muss, was gerade für Sie als Arbeitsagentur nicht nur bedauerlich, sondern eine Unverschämtheit ist. Dolmetschen und Übersetzen studiert man in der Regel und der Stundenlohn beträgt aufgrund der schwierigen und anspruchsvollen Aufgaben weitaus mehr als zehn Euro. Dolmetschen kann auch niemand mal „so nebenbei“ (neben dem Wäschereijob) machen, sondern es erfordert lange Jahre des Lernens und der Übung sowie eine gewisse Grundbegabung. Selbst ich als Diplom-Übersetzerin würde es mir nicht anmaßen, mal eben dolmetschen zu können, vor allem verhandlungssicher, wie von Ihnen gewünscht. Verhandlungsdolmetschen ist eine eigene Kategorie des Dolmetschens, zu der man gewisse Grundlagen benötigt. Die Stellenanzeige spiegelt leider wider, was viele Unbedarfte häufig über Übersetzer und Dolmetscher denken. Dass das jeder machen kann, der die Sprache beherrscht. Wenn Sie sich mal über die Berufe Dolmetscher/in und Übersetzer/in informieren wollen, lege ich Ihnen die Seite www.bdue.de ans Herz. Es wäre wünschenswert, dass die Mitarbeiter/innen der Arbeitsagentur wissen, welche Qualifikationen nötig sind und welche Tätigkeiten diese Berufe beinhalten.

Es zeugt leider von großer Inkompetenz eine solche Stellenanzeige zu verfassen. Es passt jedoch zu dem Ruf, den die Arbeitsagentur anscheinend nicht ohne Grund genießt. So wurde ich als ich vor einigen Jahren das einzige Mal in meiner Laufbahn für zwei Wochen arbeitslos gemeldet war, nach meinem Beruf gefragt. Nach meiner Auskunft, Übersetzerin für Englisch und Spanisch zu sein, folgte von der Sachbearbeiterin danach die Frage, ob ich Fremdsprachenkenntnisse hätte. Tja, wenn Mitarbeiter wirklich interessiert wären und zuhören sowie mitdenken würden, dann würde dies auch was bringen. So wird leider meist nur ein Pflicht-Frageprogramm heruntergeleiert und man wundert sich, warum die Abneigung gegen die Arbeitsagenturen wächst.

Ich hoffe sehnlichst, dass Sie niemanden für die ausgeschriebene Stelle finden und wenn doch, dass Sie merken, dass Ihren Ansprüchen nicht jeder Unqualifizierte gerecht werden kann.
Ich werde diese E-Mail auch auf meinem Blog www.miriamfunk.online.de veröffentlichen und würde mich über eine Stellungnahme Ihrerseits freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Miriam Funk

Die Uni Köln und die Bayer AG – was ist da los?

Im Folgenden veröffentliche ich die Pressemitteilung  der  BUKO Pharma-Kampagne, Coordination gegen BAYER-Gefahren, medico international und dem Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte vom 09.07.2010:

NRW Landesbeauftragte für Informationsfreiheit: Kooperation von Uni Köln und Bayer AG soll offengelegt werden

Nach Einschätzung der NRW Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit sollte der Kooperationsvertrag, den die Universität Köln und die Bayer HealthCare AG vor zwei Jahren geschlossen haben, offen gelegt werden. Damit unterstützt sie einen Antrag von zehn Gesundheits-Initiativen und studentischen Interessengruppen. Die Landesbeauftragte begründet in dem heute veröffentlichten Schreiben, weswegen die bisherige Weigerung von Universität und BAYER-Konzern, eine Einsichtnahme in den Vertrag zu ermöglichen, dem nordrhein-westfälischen Informationsfreiheitsgesetz widerspricht. Die Veröffentlichung war unter anderem von der BUKO Pharma-Kampagne, der Coordination gegen BAYER-Gefahren, medico international und dem Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte gefordert worden.

Dr. Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne: „Wir begrüßen die Empfehlung der Datenschutzbeauftragten. Sie kann helfen, endlich mehr Transparenz über die Beziehungen von Universitäten und Pharmaunternehmen zu schaffen.“

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) ergänzt: „Eine aus Steuergeldern finanzierte Einrichtung wie die Uniklinik Köln muss der öffentlichen Kontrolle unterliegen – zumal in einem sensiblen Bereich wie der Pharma-Forschung.“ Nach Auffassung der CBG handelt es sich bei dem Verfahren um einen Präzedenzfall, der alle Public Private Partnership (PPP)-Projekte betrifft. „Die Allgemeinheit kann solche Kooperationen nur bewerten, wenn alle relevanten Informationen veröffentlicht werden. Das Argument, wonach Geschäftsgeheimnisse von einer Offenlegung betroffen sind, darf nicht länger dafür herhalten, dass der Einsatz öffentlicher Mittel im Dunkeln bleibt.“

Bernd Eichner von medico international: „Dies ist ein großer Erfolg! Medizinische Forschung darf sich nicht ausschließlich an der Vermarktbarkeit orientieren – im Gegenteil: Wir benötigen mehr unabhängige Studien. Zudem müssen wir verhindern, dass medizinische Erkenntnisse, die nicht dem Erfolg eines Präparates dienen, in der Schublade verschwinden.“

Die Bayer HealthCare AG und die Kölner Uniklinik hatten vor zwei Jahren eine Kooperation in den Bereichen Onkologie, Kardiologie und Erkrankungen des Zentralnervensystems vereinbart. Die Initiativen legten der Universität daraufhin einen Fragenkatalog vor, der mit dem Hinweis auf „Geschäftsgeheimnisse“ unbeantwortet blieb. Unter anderem fürchten die Kritiker, dass Verwertungsrechte neuentdeckter Substanzen vollständig an Bayer HealthCare übergehen, dass auch Präparate ohne therapeutischen Mehrwert untersucht werden und dass nur positive Studienergebnisse publiziert werden – negative jedoch nicht, falls diese als betriebsschädigend eingestuft werden (ein sogenannter publication bias).

Eine Reaktion der Universitätsklinik auf die Entscheidung der Landesbeauftragten steht noch aus.