Monatsarchive: Mai 2008

Warum googelt man sich selber?

Jemanden zu „googeln“ hat sich als beliebte Möglichkeit etabliert, über Bekannte, Freunde, Ex-Leute, Nachbarn, zukünftige Arbeitgeber, ehemalige Arbeitgeber, Bewerber und den Rest der Welt mehr zu erfahren. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich mich selber das erste Mal gegoogelt habe.

Es war Anfang 2001, ich wohnte noch in einer WG, in der mein Mitbewohner bereits stolzer Besitzer eines Internetanschlusses war. Mir selber war das Medium Internet und selbst ein Computer damals noch relativ fremd, wenn gleich es auch einen großen Reiz auf mich hatte. Mich faszinierten die Möglichkeiten, die sich mit einem Internetanschluss eröffneten. Und in meinem Kopf wurden es täglich mehr. Eines Abends, als ich erfahren hatte, an einer relativ seltenen Erkrankung zu leiden, durchsuchte ich das Internet nach Informationen dazu. Dabei stieß ich ein Forum von Betroffenen, sie sich untereinander austauschten. Es sollte das erste Forum werden, das ich ahnungslos besuchte. Ahnungslos deshalb, da ich noch nichts von Suchmaschinen im Allgemeinen und Google im Speziellen wusste. Da mir deren Mechanismen völlig unbekannt war, begang ich einen groben Fehler: Ich loggte mich mit meinem realen Namen ein und stellte naiv eine Frage, die mir auch ein selbst ernannter Experte schleunigst beantwortete. Ich bedankte mich höflich und das Thema war damit erstmal abgehakt, ich war beruhigt, dass auch andere unter der Krankheit litten und dachte nicht weiter darüber nach. An besagtem Abend aber saß ich gemeinsam mit meinem Mitbewohner vor dem Internet und wir erforschten die Möglichkeiten des Internets. Bis wir auf die Idee kamen, mal zu schauen, was passierte, wenn wir uns selber googeln würden. Bei meinem Mitbewohner kamen nur Einträge, die nichts mit ihm zu tun hatten, da er einen in Deutschland häufigen Namen hat. Bei mir hingegen kamen mehrere Treffer und bei den ersten konnte man in dem von Google gezeigten Ausschnitt einen Teil meiner Frage, die ich damals im Forum stellte, lesen. Ich erschrak und scrollte hektisch nach unten, da dies Intimitäten freigab, die ich ungern mit meinem Mitbewohner teilen wollte. Aber Hilfe – wenn er das sehen kann, kann es ja auch der Rest der Welt sehen. Das war ja furchtbar! Wer würde alles auf die Idee kommen, meinen Namen zu googlen? Ich redete mir ein, dass ich mich nicht so wichtig nehmen dürfte, wer sollte schließlich auf so eine Idee kommen? Aber wir machten das ja auch gerade mit Bekannten, warum also sollten andere nicht auch auf die Idee kommen? Oh Nein!

Mein Mitbewohner fragte, was los sei und da leugnen zwecklos war, zeigte ich ihm die Treffer. Er lachte sich fast vom Stuhl, ich hingegen war leicht panisch. Ich fragte ihn, was ich tun könnte. Er meinte nichts, was da stünde, stünde da. An diesem Abend ging ich mit dem Gedanken ins Bett, dass nun für alle Ewigkeit meine intimen Details im Internet für jeden auffindbar seien. Mit dämmerte, dass das Internet nicht nur positive Seiten hat. Um das Ganze abzukürzen: Zirka zwei Jahre später entdeckte ich beim Googeln erleichtert, dass die Treffer nicht mehr erschienen. Ich wusste inzwischen auch mehr über Google & Co. Und hakte das Thema erleichtert ab.

Was ich nicht abhakte bzw. beibehielt, ist Menschen zu googeln. Es ist lustig zu sehen, was bei manchen Personen angezeigt wird. In erster Linie allerdings zeigt es eigentlich nur, ob derjenige wusste, was er im Internet tat und eventuell sogar in gewisser Weise steuert, was von ihm angezeigt wird oder er sich unbedarft – wie ich damals – im Internet bewegt. Da ich inzwischen beruflich viel mit dem Internet zu tun habe, ist für mich klar, worauf ich achten muss, vielen anderen hingegen nicht. Besonders wenn Menschen wenig surfen oder noch nicht lange, passiert es immer wieder, dass sie Spuren hinterlassen, die nicht immer gewünscht sind.
Da ist von Hämorrhoiden die Rede, manche tauscht sich über den Kinderwunsch im Internet aus, andere haben Bücher bei Amazon bewertet oder Wunschlisten angelegt, welche Schule man besucht hat, ist häufig zu lesen oder auch wie man das Hotel im letzten Mallorca-Urlaub fand. Peinlicher sind da schon solche Treffer, wie Fotos von der letzten Party, bei der man sich richtig abgeschossen hat oder berufliche Restspuren, die man gerne beseitigen würde. Was ich allerdings von einer Kollegin fand, die wohl sehr internetaffin ist, überstieg die Peinlichkeitsgrenze immens: Sie beschrieb in Details, von denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie irgendjemanden interessieren, wie Mann am besten eine Frau fisten kann. Der Bericht zog sich über drei Seiten, ich las mit angeekelter Faszination, was diese Frau dort von sich preisgab. Zudem antwortete sie hilfsbereit auf Fragen von anderen Nutzern, die diese Technik wohl nicht so perfekt beherrschten wie sie. Ich war erleichtert. Dagegen war meine Frage damals ganz harmlos. Ich brauche mich gar nicht schämen. Und google mich selber regelmäßig weiterhin – zur Sicherheit.

Neulich beim Jahrgangstreffen …

Im Oktober war ich zu einem Treffen meiner ehemaligen Klasse der Physiotherapeutenschule eingeladen. Zu feiern gab es das 10-Jährige. Das bedeutete, dass sich eine Menge Menschen, hauptsächlich Frauen, nach langer Zeit treffen würden. Zuletzt hatten sich die meisten beim 5-Jährigen getroffen. Unsere Ausbildungsklasse bestand damals aus 38 Personen, davon fünf Männer.

Beim 5-jährigen Treffen erlebte ich bereits, wie die meisten meiner ehemaligen Kollegen und Kolleginnen, mit denen ich früher durchaus gute Zeiten und wilde Partys erlebt hatte, mutiert waren: Zu (angeblich) superglücklichen Müttern und Vätern, die ihre absolute Erfüllung in der Gründung einer Familie, dem Kauf eines teuren Autos und dem Bau eines eigenen Hauses gefunden hatte. Es wurden fleißig Beweise des Glücks zutage befördert und so wurde ich, ob ich wollte oder nicht, anhand der mitgebrachten Fotoalben von dem vorhandenen Glück überzeugt. Kaum jemand sprach über seine berufliche Tätigkeit oder andere Themen, sodass ich den Abend für mich früh beendete und die Veranstaltung verließ. Ich war mir damals ziemlich sicher, dass beim nächsten Treffen einige der „Glücklichen“ bereits geschieden sein würden.

Da meine Freundin, mit der ich über all die Jahre engen Kontakt gehalten hatte, das 10-Jährige organisierte, hatte ich beschlossen, noch mal ein solches Treffen ohne Vorbehalte zu besuchen und zu schauen, was die anderen zu erzählen hatten. Als ich gegen 17:00 Uhr eintraf, saßen einige Frauen, Männer und Kinder an einem Tisch im Garten. Ich setze mich brav dazu und stellte fest, dass einige der Anwesenden schwanger, aber durchaus guter Stimmung waren (warum auch nicht?). Allerdings drehte sich das Gespräch zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich um Kinder. So beschloss ich, erstmal stiller Zuhörer zu sein. Doch es war unumgänglich, dass mich die Frage traf: „Und, was machst Du so?“. Ich erzählte kurz mein berufliches Tun. Doch das schien niemanden zu interessierten. Wie aus der Pistole geschossen folgten die Fragen: „Bist Du immer noch nicht verheiratet?“ und „Hast Du denn Kinder?“. Beide Fragen wurden von mir wahrheitsgemäß verneint. Daraufhin entgegnete mir eine ehemalige Kollegin, die inzwischen drei Kinder hat und, wie sie uns stolz erzählte, das Haus bereits abbezahlt: „Na ja, Du hast ja auch noch Zeit!“ Ich war sprachlos. Da war es wieder, dieses stille Vorraussetzen, dass jede Frau als Ziel Heirat und Kinder hat. Keiner fragte, alle setzten es voraus. Ich merkte, dass es unter diesen Frauen und Männern sinnlos war, ein Gespräch darüber anzufangen. Ich kenne das bereits, diese Rechtfertigungen, warum ich keine Kinder habe und im Übrigen auch keine plane. Das allerdings stößt bei glücklichen Müttern und Vätern kaum auf Verständnis. Ich kenne bereits zu genüge die Argumente, dass es so toll sei, Kinder zu haben, das habe man sich früher nie vorstellen können. Und wer das verpasst hat, der kann einem leid tun. Ich merkte, dass ich in einer anderen Welt lebe als die meisten der Anwesenden. Und in meiner Welt ist es durchaus akzeptiert, keinen Kinderwunsch zu haben. Darüber bin ich sehr froh, denn sonst würden mich nun, wie früher, Selbstzweifel plagen und ich mir immer wieder die Frage stellen, ob ich nicht doch Kinder möchte, um doch immer wieder zu derselben Antwort zu kommen: Nein, ich möchte einfach nicht.

Übrigens waren bei dem Treffen inzwischen zwei Frauen geschieden und zwei weitere in Trennung lebend. So glücklich waren sie also. Ich hingegen bin mit meinem Partner immer noch zusammen – und glücklich.

1. FC Köln zum UEFA-Cup

Juhu!!!!! Wir sind wieder erste Liga! Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Ich muss dazu sagen, dass ich das Spiel nicht mal gesehen habe (Schande über mich), da ich die Sonne genießen wollte, aber dafür haben wir mit ein paar Freunden stumpf auf den Videotext des Fernsehers – Live-Ticker – gestarrt und uns gefreut, als wären wir live dabei!

Also das Kölner Herz platzt da natürlich fast vor Stolz (auch wenn wir in Wahrheit dann ab sofort wieder gegen den Abstieg kämpfen) und ich seh uns schon beim UEFA-Cup (ist klar). So, dann fehlt ja nur noch die Hymne:

So sind wir Kölner eben, immer optimistisch!

Iehrefeld, Raderthal, Nippes, Poll, Esch, Pesch un Kalk
Üvverall jitt et Fans vom FC Kölle
En Rio, en Rom, Jläbbisch, Prüm un Habbelrath
Üvverall jitt et Fans vum FC Kölle.

Freud oder Leid, Zokunf un Verjangenheit
E Jeföhl dat verbingk – FC Kölle
Ov vür ov zoröck – neues Spell heiß neues Jlöck
E Jeföhl dat verbingk – FC Kölle

Refrain:
Mer schwöre dir he op Treu un op Iehr:
Mer stonn zo dir FC Kölle
Un mer jon met dir wenn et sin muß durch et Füer
Halde immer nur zo dir FC Kölle!

Ov jung oder alt – ov ärm oder rich
Zesamme simmer stark FC Kölle
Durch dick un durch dünn – janz ejal wohin
Nur zesamme simmer stark FC Kölle

Don´t worry – be sexy!

Ich bin bekennende Feministin mit Hang zu empfindlich reagieren und auf die Goldwaage legen von Sprüchen und Diskriminierungen. So, nun wisst ihr Bescheid!

Was in meinen Kopf so gar nicht rein will, sind Frauen, die sich selber diskriminieren und es auch noch cool finden. So ein Exemplar ist mir die letzten Tage auf der Hohen Straße zu Kölnmal wieder begegnet. Stapfenderweise – anders kann man in Schuhen, die einem die Zehen abquetschen ja auch nicht laufen – und Nase gen Himmel trug sie ein schillernd gelbes T-Shirt mit der Aufschrift „Don´t worry – be sexy“. Was wollte die Trägerin dieses T-Shirts uns sagen? Mach dir keine Sorgen, solange du sexy bist ist alles gut? Oder anders: Es gibt nur die eine Sorge: Bin ich sexy genug? Dies scheint leider das zentrale Problem von vielen Menschen meines Geschlechts zu sein. Ich weiß nicht, ob sie sich dazu treiben lassen oder wirklich so extrem auf diese Sorge fixiert sind, jedenfalls finde ich es unglaublich. Frau muss weder Köpfchen noch Witz haben, sondern ausschließlich sexy sein. Und stilisiert sich selber auf so ein T-Shirt. Glaubt es mir, lieber ginge ich nackt als ein solches T-Shirt zu tragen! Für mich ist es eine Aussage, die auf ein armes, ahnungsloses T-Shirt packt, was man an jeder Ecke sehen kann: Frauen, die sich selber über ihr Aussehen, ihre Figur, ihre Brüste, eben über ihre Sexyness definieren… und das finde ich sehr schade. Auch in unserer „emanzipierten“ Zeit ist noch lange nicht angekommen, dass frau auch dynamisch, erfolgreich, selbstbewusst, geliebt sein kann, OHNE dauersexy sein zu müssen.

Leider lassen sich viele davon nicht überzeugen. Die lassen es sich aufdiktieren: Du musst sexy sein! Mir klingt noch dieser beknackte Bruce im Ohr: „Baby, du bist sexy, sexy, sexy!“ Ziel erreicht? Dann herzlichen Glückwunsch!