4.11.2009 von Miriam.
Stichwort Social Media. Twitter hat dieses Jahr über 2.000 Prozent (!) Zuwachs. Das musste ich mir natürlich genauer ansehen und habe mich dort angemeldet. Inkognito natürlich.
Zunächst einmal: Ich bin tatsächlich positiv überrascht worden. Ich hatte vorab eine vollkommene Abneigung gegen Kommunikation im 140-Zeichen-Zwang. Deswegen kann ich mich bis heute auch noch nicht mit SMS anfreunden, da ich ein kurzes, aber persönliches Telefonat nach wie vor für die bessere Art der Kommunikation halte. Aber bei Twitter treiben sich erstaunlich viele Kollegen aus der Texter-Übersetzer-Bloggerwelt rum und sind zuweilen höchst unterhaltsam. Aber von vorne.
Nachdem ich meinen Zugang eingerichtet hatte und dabei recht wenig über mich Preis gegeben habe, wie Wohnort, Hobbys und Beruf, saß ich zunächst hilflos davor und beobachtete das Geschehen. Getwittert habe ich anfänglich über meine momentane Stimmung, das Wetter und manchmal über meine Arbeit. Also alles Dinge, von denen ich annahm, dass sie keinen interessieren dürften. Plötzlich kamen die ersten Follower, die mein Gezwitscher verfolgten. Innerhalb weniger Tage waren es über 20. Ich staunte und fing an, mich umzusehen, wer sich Interessantes dort rum trieb. Ich fand ein paar Leute, deren Profil mich ansprach und deren Tweets ich ganz unterhaltsam fand. Interessanterweise lernt man sich ja mit der Zeit ein bisschen kennen und die Leute dort waren bzw. sind erstaunlich höflich, kreativ und nett im Umgang miteinander. Plötzlich wurde ich weiterempfohlen. Mein Staunen wuchs. Ich habe nichts dafür getan, weder mir besonders spannende Dinge ausgedacht, noch Werbung für mich gemacht oder sonstiges. Inzwischen habe ich 160 (!) Follower. Dazu kommen nochmal jede Menge Möchtegern-Follower, die ich gesperrt habe, da ich sie für unseriös oder Spam hielt.
Denn damit kommen wir zum ersten Punkt, der mir dort sauer aufstößt. Es treiben sich auf Twitter natürlich jede Menge Menschen rum, die dort auf sich aufmerksam machen möchten im Sinne von Werbung. Leider halte ich Twitter dafür ungeeignet. Vor allem, wenn man es auf die plumpe Art versucht (”Hallo, schön, dich gefunden zu haben, schau doch mal auf meine Homepage XY”). Sicher nutzt es der ein oder andere Texter oder Übersetzer als Werbung für sich, da er dort hochpoetisch oder sonstwie kreatisch twittert und damit potenzielle Kunden anlockt. Das ist nicht mein Ding. Ich möchte dort unerkannt bleiben, damit ich ich bleiben kann und auch mal persönliche Dinge einfach loswerden kann, die ich ungern pubblik machen möchte (”Mein neuer Kunde strengt mich an.”). Endlich hatte ich einen Platz für meinen Gedankenmüll gefunden und dort haben Kunden nichts zu suchen. Außerdem betreibe ich Akquise lieber anders. Ich hab es als Unterhaltung gesehen, die für mich in den Bereich “Freizeit” fällt.
Apropos Unterhaltung. Unterhalten möchten auch die ganzen Britneys, die sich auf Twitter rumtreiben. Das sind zeigefreudige Damen, die meist als Foto irgendwelche Körperteile haben und in jedem Tweet auf ihre Videos aufmerksam machen. Das nervt gewaltig, denn daran habe ich keinen Bedarf und es dient vermutlich auch nicht dem eigentlichen Twitterzweck, weshalb solche Spammer auch recht zügig gesperrt werden.
Was mir außerdem gar nicht gefallen hat, ist der Leistungsdruck unter den “coolen” Twittern. Es gibt dort einige, deren Tweets man wirklich gerne liest. Besonders bei den Textfrauen zeigt sich aber, dass häufig die Zahl der Follower ausschlagebend ist für die Messlatte des eigenen Erfolgs (”Meint ihr ich schaffe heute die 1000? Helft mir!”), ebenso die Anzahl der Favs (favorisierte Tweets, die markiert werden) und seit neustem auch die Listenzugehörigkeit. Das brauche ich gar nicht und ich kann es auch nicht verstehen, dass man sich selbst daran misst. Schließlich befinden wir uns im Internet und ich begreife nicht, warum ich hier mein Ego aufpolieren sollte. Genauso befremdlich ist es für mich, dass dort einige behaupten, sie werden dort richtig verstanden und könnten sich zeigen, so wie sie sind und würden nicht - wie sonst - nach Klamotten oder Äußerlichkeiten beurteilt (”Was ist die Faszination von Twitter?” - “Plötzlich wird Coolness in Hirn gemessen.”). Das finde ich etwas seltsam. Denn wenn ich mich nur dort auslassen kann, aber mich im realen Leben ewig unverstanden fühle und in gewisser Art den anderen auch überlegen, denn schließlich wissen sie nicht, was eigentlich total Tolles in mir steckt, läuft dann das Leben nicht eigentlich an mir vorbei?
Mein Fazit: Interessante Menschen kann man dort treffen und sich nett unterhalten (lassen), gleichzeitig hat es aber einen unverkennbaren Suchtfaktor, da man beginnt, mit der Angst zu leben, man könnte einen unheimlich interessanten Tweet verpassen, da das ganze recht schnelllebig ist. Außerdem sind 140 Zeichen definitiv zu kurz für ernsthafte Kommunikation, sondern gewährt lediglich Einblicke. Oder um es mit den letzten Worten eines Twitterers zu sagen: “Mein letzter Tweet. Am WE wird der Account gelöscht. Lebt wohl. Und danke. Zu erreichen nur noch per Mail und Skype.”
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14.10.2009 von Miriam.
Auf der Internetseite von PONS habe ich entdeckt, dass es neue Diktat- und Textaufgaben-Bände gibt. Und zwar nicht irgendwelche, nein, sondern geschlechterspezifische Diktat- bzw. Textaufgabenübungen.
Im ersten Moment dachte ich wirklich, es sei ein Scherz. Leider meint der Verlag es bitterernst. So heißt es in der Pressemitteilung des Verlags: „Wenn etwa Jungs Treppendiktate erlaufen, wird ihre natürliche Bewegungsfreude positiv für das Lernen genutzt. Handelt der Text dann noch von spannenden Raumschiffabenteuern, ist Aufmerksamkeit vorprogrammiert. Mädchen finden ihre heißgeliebten Pferde genauso wieder wie kreative Anregungen zum Basteln oder Geschichten erfinden.“ Aha. Jungen bewegen sich also gerne, finden Piraten und Dinosaurier toll und sind technisch interessiert, Mädchen hingegen lieben Pferde, Meerjungfrauen, romantische Regenbögen und basteln gerne.
Ich bin schockiert, denn ich dachte, ebendiese „geschlechtertypischen Themen“ seien Geschichte. Ist doch allseits bekannt, dass es durchaus zur Vermischung der Interessengebiete der einzelnen Geschlechter gekommen ist, seitdem man den Kindern ihren Freiraum lässt und eben nicht nur genderspezifisches Spielzeug anbietet. Dazu sagt Sebastian Weber, Verlagsleiter PONS Selbstlernen: „Wir wollen nicht altbekannte Klischees zementieren, sondern die Kinder da abholen, wo sie stehen“. Aha. Dass Herr Weber damit aber die altbekannten Klischees bestätigt, hat er wohl nicht bemerkt.
Ich frage mich, wie es in heutigen Zeiten zu solchen Büchern kommen kann. Mädchen werden in allen Bereichen Möglichkeiten geboten und der inzwischen etablierte „Girls-Day“, wird mehr als dankend angenommen. Selbst ein „Boys-Day“ gehört inzwischen zum normalen Ablauf in Schulen. Mit diesen genderspezifischen Übungen jedoch wird bereits kleinen Mädchen und Jungen gezeigt, was sie gefälligst zu interessieren hat. Und wo sie sich einzuordnen haben. Das gesamte Vokabular ist darauf ausgelegt, die zart beseiteten Mädchen anzusprechen und die harten Jungs stärker zu machen. Dabei ist doch ein Erfolg der Emanzipation, dass auch Mädchen ihre Stärken ausleben dürfen, ebenso wie Jungen sich von ihrer weichen Seite zeigen dürfen. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ ist passé? Von wegen.
Das finde ich wirklich traurig. Ob man darüber bei PONS mal nachgedacht hat? Es gibt sicher Unterschiede in der Art, wie Kinder lernen. Da sollte man ansetzen. Und nicht bei den gängigen Jungen-Mädchen-Klischees.
Nachtrag: Kommentar von PONS zur Kritik ist hier nachzulesen:
http://fehlermeldungen.pons.eu/2009/10/pons-diktat-ubungshefte-in-der-kritik/
Rechnen mit Prinzessin Rosarot - PONS Online-Diskussion 3.11.09 from PONSeu on Vimeo.
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7.9.2009 von Miriam.
Schaut es euch selbst an:
http://d1ri4f2b02ge52.cloudfront.net/186_1_otsvideovod.mp4
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18.8.2009 von Miriam.
Auf einem tollen Blog habe ich eine wunderbare Geschichte gelesen, sie heißt “Im Vorübergehen“. Bitte lesen! Sie hat mich so berührt. Es gibt noch Menschen mit Herz. Und manchmal sind es genau die, von denen man es am wenigsten vermutet. Da kann man nur noch schlucken.
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26.6.2009 von Miriam.
Originalwiedergabe eines Gesprächs zwischen Teenies heute morgen in der S12 nach Köln:
Junge: “Ey, krass, habt ihr schon gehört, Michael Jackson ist tot!”
Mädchen 1: “Ja, Herzinfarkt oder so. Schade, der war ja erst 50.”
Junge: “Ja, erst 50. Der Arme.”
Mädchen 2: “Wer ist denn das? Ich kenn den nicht.”
Mädchen 1: “Kennst du nicht das Springspiel, wo wir in der Grundschule immer gespielt haben: Michael Jackson fuhr nach Spanien?”
Junge: “Gedenkminute.” (singt:”Billy Jean is not my lover…”)
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9.5.2009 von Miriam.
Jedes Mal, wenn ich im Radio das Lied „Disturbia“ von der Sängerin Rihanna höre, muss ich daran denken, dass dieses Teenie-Idol eine Frau ist, die sich von ihrem Freund schlagen lässt und trotzdem zu ihm hält. Dies schockiert mich umso mehr, als dass damit in meinen Augen gerade jungen Frauen suggeriert wird, dass es ja mal passieren kann, dass einem Mann die Hand ausrutscht. Alles halb so wild, wenn er es bereut. Außerdem hatte er vermutlich eine schwere Kindheit, mit der er sich rechtfertigt. Zeitweise konnte man auch lesen, dass er behauptete, Rihanna habe ihn zuerst geschlagen und die Öffentlichkeit kenne ihren wahren Charakter. Dass dies angesichts der zarten 21-Jährigen eher unwahrscheinlich ist und sie zudem nachweislich schwere Verletzungen im Gesicht hatte – ein blaues Auge, eine aufgeplatzte Lippe und eine blutende Nase – stört die Anhänger von Rihanna offensichtlich nicht.
Am 7. Februar diesen Jahres soll sich der Streit zwischen der Sängerin Rihanna von ihrem Freund Chris Brown in einem Auto zugetragen haben. Beide waren für den Grammy nominiert und sagten die kurz darauf stattfindende Grammy-Verleihung ab. Zuerst hieß es noch, es handle sich um „eine Frau“, die von Chris Brown geschlagen worden sei. Rihanna wollte offensichtlich ihren Freund erstmal nicht bloß stellen. Als das Ganze dann vor Gericht ging, musste sie jedoch aussagen, hielt sich aber auffallend zurück. Seitdem munkelt die Boulevardpresse immer wieder, dass die beiden noch zusammen sind oder sich wieder versöhnt haben. Laut www.nachrichten.ch sind die beiden am 07.05.2009 turtelnd in einem Lokal gesehen worden.
Man könnte nun den fiesen alten Spruch „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ sagen. Aber die beiden sind Personen des öffentlichen Interesses und tragen in meinen Augen als Teenie-Idole auch Verantwortung. Ich habe das Gefühl, es wird erstaunlich wenig darüber berichtet und schon gar nicht geurteilt. Alle Berichte, die ich dazu finden kann, sind sehr vorsichtig formuliert und weisen niemandem so richtig die Schuld zu („Vielleicht hat sie ja doch zuerst geschlagen?“, „Sie kann aber auch zickig sein!“). Dabei scheint es sich doch um einen eindeutigen Fall zu handeln, wie er leider weltweit tagtäglich vorkommt: Eine Frau wird von ihrem Lebensgefährten geschlagen, ihm tut alles furchtbar leid, sie schmollt ein wenig, merkt aber dann, wie sehr sie ihn doch liebt, verzeiht ihm und vertraut darauf, dass dies nicht nochmal passiert. Wie naiv kann man eigentlich sein?
Jede Frau, die von ihrem Partner gewalttätig angegriffen wird, sollte sofort ihre Sachen und ihre Würde packen und das Weite suchen. Denn körperliche Gewalt ist niemals angebracht oder entschuldbar. Und in den allermeisten Fällen leider auch kein einmaliges Erlebnis, dass sich nicht wiederholt. DAS sollte jemand, der Vorbild für andere Mädchen oder Frauen ist, die sich ihr Weltbild gerade erst formen, vermitteln. Damit keine Frau auf dieser Welt sich schlagen lässt und auch noch denkt, ihr Gegenüber hat das Recht dazu.
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16.3.2009 von Miriam.
Schon lange wollte ich etwas über Kassiererinnen, Supermarkterlebnisse oder ähnliches schreiben. Dem ist man mir nun zuvor gekommen. Plötzlich ist das Thema der „Kassiererin“ ganz aktuell in den Medien. Angefangen hat vermutlich alles mit der Berlinerin Kassiererin Barbara E., die bei Kaiser´s nach 15 Jahren Tätigkeit entlassen wurde. Die Frau soll Pfandbons im Wert von 1,60 Euro unterschlagen haben. Und da im Arbeitsrecht – anders als im Strafrecht – der Verdacht eines Diebstahls reicht, um einen Angestellten zu entlassen, ist Kaiser´s laut Gesetz im Recht. Tja, so ist das eben. Was interessiert es die Gerichte, dass die Frau sich in all den Jahren nichts zu Schulden kommen ließ. Oder dass es absolut schwachsinnig wäre, wegen 1,60 Euro seine Arbeitsstelle zu riskieren? In manchen Firmen sind Mitglieder des Betriebsrats nicht gern gesehen und schon gar nicht, wenn sie sich für die Rechte der Mitarbeiter einsetzen. Nein, in diesen harten Zeiten kann man da keine Gnade walten lassen.
Aber zurück zu den Kassiererinnen. So kamen sie also ins Gespräch. Vor kurzem las ich in der EMMA einen Artikel über die französische Kassiererin Anna Sam, deren Buch „Die Leiden einer jungen Kassiererin“ gerade auf Deutsch erschienen ist. Sie beschreibt in ihrem Buch die Position der oftmals gedemütigten und unfreundlich behandelten Kassiererin, die mit Piepen im Ohr nach Hause geht, wenn sie denn mal Feierabend hat. Kurz darauf, genauer gesagt, am 05.03.2009, lese ich im Kölner Stadtanzeiger einen Kurzkommentar von Stefan Knieps zum Thema Supermarkt-Kassen. Ihm ist das alles viele zu viel Fragerei („Haben Sie eine Paybackkarte?“) und überhaupt möchte er doch nur einkaufen. Dass er sich schlussendlich auch noch Turbokassen nach seinen persönlichen Vorstellungen ausmalt, zeugt davon, dass er beim Einkaufen in möglichst minimalistischen Kontakt mit einer Kassiererin treten will. Schließlich will man ja einkaufen und keine Gespräche führen. Wär ja auch noch schöner.
In derselben Woche dann erscheint im freitäglichen Magazin der Süddeutschen Zeitung ein Artikel „Die Kassiererin“, welcher die offensichtlich unzumutbaren Arbeitsbedingungen der Kassiererinnen und die Position der Person an der Kasse beleuchtet und Bezug auf das Buch von Anna Sam nimmt. Der Artikel beschreibt dabei auch sehr schön das Bild der Kassiererin in der gegenwärtigen Literatur. Ein von Unmündigkeit und Passivität gekennzeichnetes Bild, welches im dümmsten Fall auch noch Männerfantasien ausfüllt.
Wenn ich all diese Berichte jetzt nicht gelesen hätte, hätte ich geschrieben, dass ich einen vollkommen anderen Eindruck habe. Ich begegne den meistens Menschen erst mal freundlich. In der Begegnung mit sehr vielen Kassiererinnen allerdings führt dies zu sehr viel Irritation meinerseits. Denn zumeist bin ich die, die „Guten Tag“ sagt, wobei Kassiererinnen häufig a) gar nicht reagieren, b) verwirrt leicht den Kopf heben und mich anschauen oder c) freudig zurück grüßen. Leider sind letztere die seltensten Begegnungen. Ich wunderte mich bisher darüber, dass es zu viel zu sein scheint, dem Kunden an der Kasse freundlich zu begegnen. Denn letztendlich sind wir an der Kasse Kunden, die man üblicherweise gut behandeln sollte. Allerdings geht es im Falle einer Kassiererin natürlich nicht darum, dass sie uns etwas direkt verkaufen will, denn wir kommen ja bereits mit unserem fertigen Einkauf zu ihr und wollen bezahlen. Wir wollen zwar etwas von ihr, aber sie will ja schließlich auch unser Geld. Mir kam es bisher immer so vor, als müsse man sich um Supermarktkunden nicht bemühen, denn die kommen ja ohnehin wieder, da der Supermarkt gleich um die Ecke liegt und man nicht den Supermarkt wie den Arzt wechselt, wenn man sich schlecht behandelt fühlt. Reklamiert man einen falsch eingegebenen Preis, bekommt man oft nur ein mürrisches „Ach so, das ist hier schon falsch eingegeben“, statt einer Entschuldigung, die ich in solchen Fällen eigentlich für angebracht hielte. Pfandbons werden einem mehr oder weniger aus der Hand gerissen, bevor man etwas dazu sagen kann und mein Einkaufswagen wird wortlos um die Kassenecke gezerrt und mit skeptischem Blick auf geklaute Lebensmittel geprüft. Erst vor wenigen Tagen hatte ich ein Erlebnis, bei dem ich laut lachen musste: Ich stand schon an der Kasse. Währen die Kassiererin meine Einkäufe scannte, holte ich zwei Stofftaschen aus meiner Umhängetasche, in denen ich die Einkäufe verstauen wollte und legte sie deshalb in den Einkaufswagen vor mir. Sofort blaffte mich die Verkäuferin an, sie wolle in die Taschen schauen. Ich lachte laut los und sagte ihr, dass sie doch gesehen habe, dass ich die gerade aus meiner eigenen Tasche genommen hätte. Sie bestand jedoch darauf, in die Taschen zu blicken.
Es gibt in meinen Augen zwei Möglichkeiten: Entweder sehe ich so aus, als ob ich klaue, die Diebstähle dann in meine Tasche packe, um sie dann an der Kasse wieder auszupacken (?) oder die Kassiererin ist so gedrillt darauf, Taschen zu kontrollieren, dass sie den Sinn ausblendet und nur den Befehl ausführt. Ich befinde mich nun in dem Dilemma, dass ich nicht weiß, ob ich Mitgefühl mit den Kassiererinnen haben soll oder sie trotzdem weitestgehend unfreundlich finde. Vielleicht ist das ganze eine Mischung aus verschiedenen Komponenten: Druck am Arbeitsplatz, unfreundliche und genervte Einkäufer ohne Zeit an der Kasse und keine Freude an der Arbeit – wissen tue ich es leider nicht (würde mich aber wirklich interessieren). Dagegen spricht allerdings, dass es durchaus nette Kassiererinnen gibt, die auf meine Freundlichkeit ebenso reagieren. Allerdings schreibe ich hier nur meine Sicht auf die Kassiererin nieder. Ich schreibe nicht von den vielen unfreundlichen Menschen, die Sprüche wie „Geht das auch schneller“ raushauen, erst fünf Minuten vor Ladenschluss den Supermarkt betreten und sich unnötig viel Zeit lassen oder die wortlos ihren Schein an die Kassiererin reichen und diese vermutlich nicht mal richtig wahrnehmen.
Letztens fragte mich eine Kassiererin beim Abwiegen des Obstes, um welche Frucht es sich denn nochmal bei der aufgelegten Mango handle. Ich antwortete ihr: „Weiß ich nicht, Sie lieben doch Lebensmittel!“ Worauf sie mich erst ungläubig ansah und dann in ein herzliches Lachen ausbrach, in das ich einfiel. Einkaufen kann eben auch Spaß machen. Wenn man es selber will.
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3.3.2009 von Miriam.
Ich bin Pendlerin. Ich fahre werktäglich mit der Deutschen Bahn und mit mir viele andere Menschen. Dabei fällt mir auf, dass ich und einige wenige andere allmählich zu Dinosaurieren werden. Warum? Weil wir mit unserem Buch in der Hand zur Ausnahme werden. Fast alle Menschen morgens auf dem Bahnsteig sind in irgendeiner Weise elektronisch verkabelt. Noch vor wenigen Jahren wären Menschen, die scheinbar mit sich selber redend (am frühen Morgen wohlgemerkt!) für verrückt und seltsam erklärt worden. Aber man hat sich daran gewöhnt. Denn diese Menschen telefonieren ja nur. Daneben gibt es dann jene Mitmenschen, die scheinbar immer ihr Mobiltelefon am Ohr haben und schon morgens um acht Uhr höchstwichtige Gespräche führen oder auch Murat, der sich nur bei seinem Kumpel erkundigen möchte, “ob wir nachher noch Domplatte gehen”. Die meisten anderen haben Kopfhöhrer in oder auf den Ohren und lassen sich von ihrem MP3-Player berieseln. Einige andere packen inzwischen, kaum das man in der morgendlich überfüllten Bahn einen Sitzplatz gefunden hat, ihr Notebook aus und stöpseln auch hier wieder die Kopfhörer ein. Ich habe tatsächlich schon Leute gesehen, die sich am frühen Morgen erst mal eine DVD reinziehen. Andere erledigen anscheinend schon mal vorab Büroarbeit, wieder andere schauen nur mal, wer gerade so im Messenger ist. Neulich saßen mir dann morgens in der S-Bahn wirklich ein paar kleine Jungs gegenüber, die eifrig mit ihrem Mobiltelefon Fotos schossen (und mich grimmig dreinblickend vermutlich auf jedem am Rande hatten).
Es ist nicht so, dass ich elektronische Geräte nicht mag oder nicht auch meinen MP3-Player in der Jackentasche hätte. Allerdings packe ich ihn nur aus, wenn ich entweder extrem müde bin oder mich irgendwelche Mitreisenden mit nervigem Geschwätz belästigen. Grundsätzlich mag ich es überhaupt nicht, mit Beschallung auf den Ohren durch die Gegend zu laufen. Ich mag die Geräusche, die mich umgeben und ich mag auch den Gesprächen anderer Leute lauschen, nicht aus Neugier, ich würde es eher als Interesse an anderen bezeichnen. Mit Kopfhörern auf den Ohren kommt man niemals mit seinem Sitznachbarn ins Gespräch. Ich führe oft auf Bahnfahrten kurze nette Gespräche mit Mitreisenden. Ich mag das auch sehr. Denn ich bin doch ein Mensch unter Menschen. Ich finde das spannend und faszinierend. Außerdem kommen so auch wirklich schöne Momente zustande und man spürt, dass jeder anders ist und seine Geschichte hat.
Kurz vor Weihnachten gab es einen lustigen Zwischenfall: Der Zug verließ gerade den Deutzer Bahnhof in Richtung Siegburg, ich war schon in mein Buch vertieft, ebenso wie der Mann mir gegenüber und die beiden Frauen schräg gegenüber. Plötzlich klingelte das Telefon des Mädchens, das rückwärts vor mir im Sitz saß. Es handelte sich um ein Mädchen, welches am nächsten Tag seinen 14. Geburtstag feiern sollte und deshalb nochmal mit seiner Mutter telefonierte. Es wünschte sich sehr dringend ein neues “Handy” oder “wenigstens einen MP3-Player”. Auch beschwerte sie sich, dass ihre Mutter ihr keinen Kuchen zum Geburtstag gebacken hat, sondern den ganzen Tag nur rumgehangen hat. Dabei wurde sie gegenüber ihrer Mutter extrem ausfallend, wie ich es mich mit meiner Mutter zu reden nie getraut hätte. Allmählich legte ich mein Buch zur Seite, da die Lautstärke des Telefonats dafür sorgte, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte. Wie ich dabei bemerkte, ging es dem Mann mir gegenüber ebenso. Ich lauschte autmatisch dem Gespräch des Mädchens und musste in mich reingrinsen. Die war noch so kindisch-amüsant, dass ich lachen musste. Als ich meinen Blick zur Seite wandte, bemerkte ich, dass die Frauen mir gegenüber ebenfalls gerade ihre Bücher zur Seite legten und losprusteten. Wir sahen uns an und mussten alle laut lachen. Das ging so weit, dass wir alle zusammen laut lachten und mir der Bauch langsam weh tat. Bei jeder neuen Antwort des Mädchens gröhlten wir los oder hatten schon eine Antwort für sie parat. Uns liefen die Tränen runter und die eine Frau bemerkte noch, dass sie so niemals mit ihrer Mutter geredet hätte. Wir überlegten langsam, ob wir für ein neues Telefon sammeln sollten. Als wir nach einer Viertelstunde in Siegburg ankamen, mussten die ersten beiden aussteigen, worüber sie selbst sehr traurig waren, da sie nun das interessante Telefonat verpassten. Eine der Frauen treffe ich inzwischen regelmäßig im Zug und es hat sich eine nette Bekanntschaft entwickelt. Ich mag so was wirklich sehr, auch wenn sich in diesem Fall über jemand anderen lustig gemacht wurde. Ich mag es, mit anderen zu lachen, zu merken, sie denken wie ich. Ich bin offen und spreche Leute auch gerne an, wenn ich zum Beispiel merke, sie suchen etwas oder brauchen Hilfe. Nicht jeder hat das gerne. Neulich umgriff eine ältere Dame sofort feste ihre Handtasche und schrie laut “Ich brauche keine Hilfe!”, als wenn ich ein Taschendieb mit einer schlechten Masche wäre. So weit ist es schon gekommen, so selten treten Menschen miteinander in Kontakt, dass sie denken, man möchte sie überfallen, wenn man sie anspricht!
Ich würde mir wirklich wünschen, dass ich morgens in der Bahn weniger müde Gesichter mit Stöpseln in den Ohren und dafür mehr lachende, miteinander sprechende Menschen sehen würde. Ich glaube, wir verlernen so traurigerweise einen wichtigen Teil unseres Menschseins - die zwischenmenschliche Kommunikation.
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